Krankenkassenfusionen

Zahlen lügen nicht: Krankenkassen-Fusion als Kostentreiber

Montag, 17. Jan 2011, 16:00 von
In den vergangen Jahren ist die Zahl der Krankenkassen unter anderem durch Fusionen deutlich zurück gegangen. Das Ziel der Kostensenkung scheint jedoch verfehlt. Der Bundesrechnungshof meint: Fusionen treiben die Kosten nach oben. Und die Zahlen geben ihm Recht. Fusionen der Krankenkassen tragen nicht zur Kostensenkung bei.
Die Rechnung geht nicht auf: Fusionen lassen Kosten steigen

Die Rechnung geht nicht auf: Fusionen lassen Kosten steigen

Die Krankenkassen haben es nicht leicht: Medikamente und Ärztehonorare steigen stetig an. Die alternde Bevölkerung bewirkt ihr übriges. Aufgrund des Kostendrucks sind viele Kassen gezwungen zu fusionieren. Dieses Allheilmittel scheint jedoch genau das Gegenteil zu bewirken: Der Bundesrechnungshof hat in einem Bericht festgestellt, dass bei vielen Fusionen Personal- und Verwaltungskosten eher ansteigen und nicht sinken. In dem Bericht sind 32 Fusionen zwischen 2007 und 2009 überprüft worden, nur bei einer sanken die Verwaltungskosten. Fusionen führen auch langfristig nicht zu einer Reduzierung der Verwaltungskosten. Des Weiteren wird im Bericht der rechtliche Rahmen bemängelt. Formalitäten und Vorgaben würden zwar eingehalten, aber rechtlich gäbe es Lücken, da Fusionskonzepte zur Personalausstattung und zur Organisation nicht vorhanden seien.

Bericht liegt dem Gesundheitsministerium vor

Der Bericht vom Bundesrechnungshof liegt dem Bundesgesundheitsministerium (BMG), dem Bundesversicherungsamt (BVA) und dem GKV-Spitzenverband vor. Man habe keinen Einfluss auf die Fusionen, so der Kommentar des BMG zum publik gewordenen Bericht. Die Krankenkassen seien eigenverantwortlich und müssen selbst entscheiden, ob eine Fusion anzustreben geeignet sei.

Verwaltungskosten der GKV um über 30 Prozent gestiegen

Diese Zahlen zur Krankenversicherung sind, unabhängig vom Bericht, jedoch schon lange bekannt. Auf den Seiten der jeweiligen Spitzenverbände finden sich die Summen der Verwaltungskosten für die die gesetzliche, als auch für die private Krankenversicherung. Und dieser Vergleich lohnt sich. Während der freie Markt die PKV, zwingt kosten-ökonomisch zu arbeiten, offenbaren sich bei der gesetzlichen Krankenkasse die Defizite bei Thema Einsparungen. Während die private Krankenversicherung seit 1998 die Verwaltungskosten je Mitglied sogar um 20 Prozent Reduzieren konnte, stiegen diese bei der GKV um 33 Prozent an. Schaut man sich nun an, dass die Zahl der Krankenkassen im gleichen Zeitraum, unter anderem durch Fusionen, um mehr als 300 gesunken ist, wird deutlich: Kostensenkungen durch Fusionen sind offenbar nicht die Realität im deutschen Gesundheitswesen.

Gesetzgeber gefordert

Insgesamt gab die gesetzliche Krankenversicherung im Jahr 2009 8,91 Milliarden Euro für die Verwaltung aus. Dieser Wert ist damit um über zwei Milliarden Euro höher als im Jahr 1998. Die PKV konnte die Verwaltungskosten im gleichen Zeitraum immerhin reduzieren. Will der Gesetzgeber tatsächlich eine bessere Ausgabenstruktur im Gesundheitswesen etablieren, sollte das Thema Fusionen kein unbeachtetes bleiben.