Private Krankenversicherung

Zahl der säumigen Zahler wird immer größer

Samstag, 28. Jan 2012, 12:39 von
Die Unternehmen der privaten Krankenversicherung (PKV) haben schwerwiegende Probleme mit Versicherten, die ihre Beiträge nicht mehr zahlen können oder wollen. Ihre Zahl wird immer größer. Die Gründe für die Zahlungsverweigerungen sind vielfältig. Nun wollen PKV und Bundesregierung einen speziellen Tarif einführen.
Dei privaten Krankenversicherer wollen spezielle Tarife für zahlungsunwillige Kunden

Dei privaten Krankenversicherer wollen spezielle Tarife für zahlungsunwillige Kunden

Nach einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ wird die Gruppe der Versicherten in der PKV, die keine Beiträge mehr zahlen, immer größer. "Es gab Ende September 2011 insgesamt 144.000 Nicht-Zahler in der privaten Krankenversicherung", erklärt Dirk Lullies, der Sprecher des PKV-Verbandes. Vor der Einführung der allgemeinen Versicherungspflicht im Jahr 2009 konnte die PKV einem Versicherten wegen nicht gezahlter Prämien durchaus kündigen. Doch das ist nicht mehr möglich. Obwohl es also Zahlungsrückstände gibt, können die säumigen Zahler trotzdem Leistungen beanspruchen, wenn sie krank sind. Seither hat die PKV Verluste von über 550 Millionen Euro hinnehmen müssen. Deshalb sind nun spezielle Tarife geplant. Es soll für diesen Personenkreis dann nur noch eine Notfallversorgung geben. Entsprechende Gesetzesentwürfe liegen bereits vor.

Neue Tarife entlasten die Gemeinschaft der Versicherten   

Bisher wurden die Versicherten, die keine Zahlungen leisteten, in den Basistarif der PKV umgeleitet. Dieser Tarif bietet Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen, kostet aber immer noch rund 600 Euro monatlich. Auch hier waren die Beitragszahlungen nicht sichergestellt. Wiltrud Pekarek vom Vorstand der Halleschen Krankenversicherung erklärt die Gründe: "Ziel der neuen Nichtzahlertarife ist es, den Anstieg der Beitragsrückstände abzumildern und die Versichertengemeinschaft zu entlasten." Durch die Nicht-Zahler werden die anderen Versicherten ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen.

Tarif für Nichtzahler greift automatisch    

In Zukunft werden Versicherte der PKV, die ihre Prämien nicht zahlen, nach zwei Monaten eine Mahnung bekommen. Nach weiteren zwei Monaten folgt die zweite Mahnung. Wenn diese Zahlungserinnerungen dann immer noch ohne Wirkung bleiben, werden die Betroffenen automatisch in einen Nichtzahlertarif eingestuft. Damit sind nur noch akute Krankheiten und Schwangerschaften abgesichert. Auch dieser Tarif ist aber nicht völlig umsonst, denn die Versicherten müssen für die eingeschränkte Versorgung noch circa 100 Euro monatlich zahlen. Wiltrud Pekarek macht die Vorteile deutlich: "Durch den niedrigeren Beitrag im Nichtzahlertarif haben die betroffenen Versicherten eher die Möglichkeit, ihre Rückstände zurückzuzahlen."

Versicherungspflicht und Billigtarife  

Für die negative Entwicklung bei den privaten Krankenversicherern gibt es nach Ansicht von Fachleuten vor allem zwei Gründe. Als die allgemeine Versicherungspflicht eingeführt wurde, haben viele Menschen in eine privaten Krankenversicherungsvertrag abgeschlossen, die vorher nicht versichert waren. Doch auch die Billigtarife, die neue Kunden anlocken sollten, sind für diese Entwicklung verantwortlich. Es gibt also sowohl Gründe, die aus den politischen Gegebenheiten resultieren als auch hausgemachte Schwierigkeiten.

Bonität in Gegenwart und Zukunft wird überprüft

Einige Versicherungen wollen sich nicht mehr nur mit den Folgen der Nicht-Zahler beschäftigen, sonder sie greifen zu präventiven Maßnahmen. Wiltrud Pekarek leitet eine Arbeitsgruppe, die sich mit den säumigen Zahlern und den Folgen beschäftigt. Sie sagt, dass auf Dauer natürlich keine Versicherung Leistungen erbringen kann, wenn die Beiträge nicht mehr fließen. Gesundheitsprüfungen sind in der Branche völlig üblich, doch die Hallesche prüft inzwischen noch mehr. Nicht nur der Gesundheitszustand wird bei einem Vertragsabschluss unter die Lupe genommen, "sondern neben der aktuellen Bonität auch die künftige Zahlungsfähigkeit neuer Kunden".