Künftiges Gesundheitssystem

Verbandschef: PKV ist für die Gesundheitswirtschaft fundamental

Dienstag, 29. Mai 2012, 12:28 von
Allen Unkenrufen zum Trotz: Die private Krankenversicherung wird ihre Kunden noch Jahrzehnte mit Gesundheitsleistungen versorgen. Da ist Reinhold Schulte sicher. Ohne sie sei die Gesundheitswirtschaft nicht zu finanzieren. Für die Zukunft bringt Schulte eine niedrigere Versicherungspflichtgrenze ins Spiel.
Finanzierbarkeit der Gesundheitsleistungen ist laut PKV-Chef nur mit Privatversicherten möglich

Finanzierbarkeit der Gesundheitsleistungen ist laut PKV-Chef nur mit Privatversicherten möglich

Der kürzlich zu Ende gegangene Deutsche Ärztetag bildete wieder einmal die völlige Zerrissenheit der politischen Positionen ab, wenn es um die Zukunft des deutschen Gesundheitssystems geht. Während sich Ärzteschaft und Gesundheitsminister zum wiederholten Male für den Fortbestand des dualen Versicherungssystems mit GKV und PKV aussprachen, machte sich Karl Lauterbach, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, erneut für eine vereinheitlichende Bürgerversicherung stark. Nach aktuellem Stand werden derlei Diskussionen sicherlich noch bis zu den Bundestagswahlen im Jahre 2013 in gleicher Manier weitergeführt, umsäumt auch von neuen Studien und Gutachten mit Reformvorschlägen aus der Wissenschaft. Kommt es zur Einführung einer einheitlichen Bürgerversicherung, gilt es z.B. eine Lösung für die Ärztehonorare zu finden.

Schulte: Ärzteschaft angewiesen auf Privatversicherte

Das Honorar-System müsse entbürokratisiert werden, um die Ärztehonorare nicht erheblich einbrechen zu lassen, sobald es die Zahlungen der Privatversicherten nicht mehr gäbe, so Lauterbach vorausschauend. Der Verbandsvorsitzende des PKV-Verbandes, Reinhold Schulte, misst dieser Frage ebenso viel Bedeutung bei. Im Rahmen eines Interviews mit dem Handelsblatt führte er aber aus, dass die Leistungen der Gesundheitswirtschaft nur zu finanzieren seien, wenn die private Krankenversicherung erhalten bleibt. Ärzte wie Zahnärzte, Krankenhäuser wie Apotheken, sie alle seien abhängig von dem Mehr an Zahlungen durch die Privatversicherten. Die Entwicklung in der PKV sei ganz klar eine positive. Die Privaten könnten nicht nur auf weitere gewonnene Marktanteile im Vorjahr verweisen, sondern auch auf zufriedene Kunden. Bei den Diskussionen um die Beitragsentwicklung solle auch der jährliche Rückerstattungsrahmen Beachtung finden, forderte Schulte.

PKV-Unternehmen einheitlich für Krankenvollversicherung

Seine Position basiere auf dem Grundsatz, "dass die PKV mehr kostet, dafür dann aber auch mehr leisten muss", so der Verbandschef auf die Frage nach den Billigtarifen im privaten Krankenversicherungssystem. Mit Altersrückstellungen im Rahmen von 170 Milliarden Euro trage man den demografischen Veränderungen bereits angemessen Rechnung, führte Schulte auch mit Bezug auf eine Studie der AOK an, die der Debatte um die PKV und ihre Beiträge weiteren Zündstoff verliehen hatte. Eine aktuelle Anzeigenkampagne, die die Unterschriften sämtlicher Vorstandsvorsitzender der PKV-Unternehmen beinhaltet, solle die Geschlossenheit der Branche hinter der Krankenvollversicherung zeigen.

Senkung der Versicherungspflichtgrenze zu diskutieren

Mit Blick auf die Gesundheitskosten scheint für den PKV-Verbandschef klar zu sein: Hier wird es in beiden Systemen einen weiteren Anstieg geben. Mit der Bundesärztekammer befinde man sich entsprechend im Gespräch, um eine neue Gebührenordnung für Ärzte auf den Weg zu bringen. Ziel sei es etwa, die Vergütung für Patientenberatung zu erhöhen und an anderer Stelle Gebühren nach unten zu korrigieren. Zudem strebt der PKV-Verbandsvorsitzende an, die Eintrittsmöglichkeiten in die private Krankenversicherung zu vereinfachen. Es solle doch darüber sinniert werden, "ob man die Pflichtgrenze nicht wieder heruntersetzt, damit mehr die Möglichkeit erhalten, sich privat zu versichern". Dies diene auch dem Zweck, mehr Menschen zur eigenständigen Vorsorge für ihre Zukunft zu bewegen, unterstrich Schulte.