Krankenversicherung

Politische Lösung für Nichtzahler-Problematik in PKV angemahnt

Donnerstag, 10. Mai 2012, 15:20 von
Der ehemalige Vorstand der Versicherungskammer Bayern sieht es als Aufgabe der Politik an, die durch Nichtzahler entstehenden Einnahmeausfälle in der privaten Krankenversicherung zu regeln. Zudem plädiert er für die Beibehaltung des dualen Versicherungssystems aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung.
Das Nichtzahler-Problem in der privaten Krankenversicherung bedarf weiterhin einer Lösung

Das Nichtzahler-Problem in der privaten Krankenversicherung bedarf weiterhin einer Lösung

Die Nichtzahler-Problematik im deutschen Krankenversicherungssystem ist weiterhin brandaktuell. Die private Krankenversicherung klagt über die wachsende Zahl vollversicherter Nicht-Zahler und durch diese verursachte Einnahmeverluste in Höhe von 554 Millionen Euro. Wohl bemerkt: Dieser Wert stammt noch von September des Jahres 2011. Mittlerweile dürfte die Höhe weiter angewachsen sein. Auch die gesetzlichen Krankenkassen haben mit säumigen Zahlern zu kämpfen. Entsprechende Verluste im gesetzlichen System umfassen laut Angaben des GKV-Spitzenverbandes 1,53 Milliarden Euro. Noch hat die Bundesregierung die Einführung von Nichtzahler-Tarifen in der PKV nicht beschlossen. Der Sachverhalt wird geprüft. In der gesetzlichen Krankenversicherung ist generell kein solcher Tarif vorgesehen. Die Sanktionsmöglichkeiten dieser Kassen werden von der Regierung als “ausreichend” angesehen.

Nichtzahler-Tarif der PKV: Keine Bildung von Altersrückstellungen

Laut Friedrich Schubring-Giese, bis vor kurzem Vorstandsvorsitzender der Versicherungskammer Bayern und nun im Ruhestand, ist eine politische Lösung der Nichtzahler-Problematik in der PKV und in der privaten Pflegeversicherung dringend erforderlich. In einem neuen Spezialtarif der Privatversicherung sollen demnach keine Altersrückstellungen gebildet werden. Im Anschluss an zwei Mahnungen, die die nichtzahlenden Versicherten erhalten, soll ausschließlich die Grundversorgung gewährleistet werden. Akute Erkrankungen würden somit weiterhin mit PKV-Versicherungsleistungen bedacht.

Plädoyer für Wettbewerb zwischen gesetzliche und privat

Wie es mit der privaten Krankenversicherung zukünftig weitergehen wird, ist noch nicht in Stein gemeißelt. Die Debatten der unterschiedlichen politischen Lager halten weiter an. Mit Bezug auf die Forderung der Oppositionsparteien, eine Bürgerversicherung einzuführen, plädiert der Ex-Vorstandsvorsitzende der Versicherungskammer Bayern eindeutig für die Erhaltung des Status quo. PKV und GKV sollen sich demnach auch weiterhin im Wettbewerb gegenüberstehen. Das von SPD, Grünen und Linkspartei favorisierte Konzept würde die “Zwei-Klassen-Medizin” dagegen verschärfen statt sie zu beseitigen, ist sich Schubring-Giese sicher. Aus seiner Sicht kann nur das private Versicherungssystem den demografischen Veränderungen und den damit verbundenen Herausforderungen angemessen Rechnung tragen.

Staatliche Förderung der Privatvorsorge begrüßenswert

In puncto Ergänzung der Pflegepflichtversicherung sieht der ehemalige “Steuermann” der Versicherungskammer Bayern die vorgesehene Förderung der freiwilligen Privatvorsorge als positiv an. Nach dem Entschluss der Bundesregierung wird die Vorsorge, die die Menschen für ihr Alter betreiben, mit einer steuerlichen Förderung bedacht. Damit dürfe man sich allerdings nicht zufrieden geben, so Friedrich Schubring-Giese. Vielmehr müsse die kapitalgedeckte Privatvorsorge noch erweitert werden.