PKV-Verband will Altersrückstellungen beweglicher einsetzen
Donnerstag, 17. Mai 2012, 12:33 von Jutta Wellding-Trostel
Die Politik soll dazu beitragen, dass die PKV sich besser aufstellen kann
Das "Versicherungsjournal" berichtet über Gespräche des PKV-Verbandes mit dem Finanzministerium und der BaFin. Die Gespräche sollen dazu führen, dass die Altersrückstellungen bereits früher als bisher eingesetzt werden können, um so die Erhöhung der Prämien in der PKV abzufangen. Bisher ist ein Zuschlag von zehn Prozent gesetzlich vorgeschrieben, den die Versicherten der PKV vom 21. bis zum 60. Lebensjahr zahlen müssen. Das angesammelte Kapital wird dazu genutzt, die Beiträge zur PKV im Rentenalter so beständig wie nur möglich zu halten. Die so angesparten Gelder waren für die PKV immer ein großer Bonus. So sorgt man für die höheren Kosten vor, die viele Versicherte im Alter natürlich verursachen. Die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) kennen eine solche Vorsorge nicht. Deshalb sahen sich die privaten Krankenversicherungen immer im Vorteil und für die demografische Entwicklung in Deutschland bestens gerüstet.
PKV muss mit Beitragserhöhungen kämpfen
Die massiven Beitragserhöhungen zumindest in einigen Unternehmen könnten die PKV nun zum Handeln zwingen. Der PKV-Verband betont zwar noch immer, dass es sich bei den zum Teil drastischen Erhöhungen um Ausreißer und Einzelfälle handelt, doch in den letzten Jahren haben sich Beiträge starke erhöht. Die BaFin hat die Erhöhungen der Beiträge nach dem Bericht des "Versicherungsjournals" von 2009 auf 2010 mit 7,27 Prozent angegeben. In den vergangenen zehn Jahren sind die Kosten der Versicherten durchschnittlich um rund fünf Prozent angestiegen.
Altersrückstellungen für moderate Prämien
Die PKV setzt sich nun dafür ein, dass die Altersrückstellungen flexibler genutzt werden können. Damit sollen künftige Erhöhungen abgemildert oder vielleicht sogar verhindert werden. Nach Angaben des "Versicherungsjournals" setzt sich die PKV dafür ein, dass die Altersrückstellungen bereits vor dem 60. Lebensjahr der Kunden eingesetzt werden können. Besonders für die Belange der 45- bis 60-jährigen müsse man sich nachhaltig einsetzen. Mit einer solchen Maßnahme könne man die Erhöhungen der Beiträge bereits lange vor dem 60. Lebensjahr geringer gestalten. Es ist aber durchaus noch nicht klar, ob das Ministerium oder die Finanzaufsicht BaFin zustimmen werden.
Keine Chance für Billigtarife
Auch die Billigtarife stehen im Visier des PKV-Verbandes. Hier erhöhen sich die Beiträge besonders drastisch. Diese Tarife bieten oft nur lückenhaften Schutz und sollen lediglich neue Mitglieder anlocken. Im Laufe der Jahre müssen solche Tarife natürlich angepasst werden, was oft zu hohen Steigerungsraten führt. Wenn die Leistungen noch unter denen der GKV liegen, so gehörten solche Angebote nicht in die PKV. Das "Versicherungsjournal" zitiert Vorstandskreise der PKV. Danach müsse ein PKV-Tarif wenigstens "GKV plus x" sein. Hier soll ein Umdenken einsetzen, um Auswüchse bei den Beitragssteigerungen zu vermeiden.
Kleinere und häufigere Erhöhungen
Der PKV-Verband schlägt weiter vor, die Prämien nicht mehr nur einmal im Jahr zu erhöhen, sondern verteilt innerhalb eines Jahres anzupassen. Zwar ist das keine grundsätzliche Lösung des Problems, doch zumindest könnte man so die plötzliche, schlagartige Belastung der finanziellen Möglichkeiten der Versicherten verhindern. Zudem wollen die Versicherer den Schwellenwert senken, bei dem die Beiträge aufgrund der gestiegenen Gesundheitskosten angehoben werden müssen. Der soll bei fünf Prozent greifen. Zukünftige Kostensteigerungen dürfen nicht in der Kalkulation berücksichtigt werden. Die Bundesbank hat hier einen Riegel vorgeschoben, weil die Annahme von Preiserhöhungen die Inflation anheizen könnte.





