Private Krankenversicherung

PKV-Billigtarife: Verbraucherschützer üben weiter Kritik

Dienstag, 30. Aug 2011, 09:50 von
Verbraucherschützer raten von allzu günstigen Tarifen in der privaten Krankenversicherung ab, da diese einen reduzierten Leistungsumfang bieten, der wichtige Bereiche ausspart. Viele Kunden nehmen die Tarife außerdem nicht so an, wie erwartet. Einige PKV-Anbieter haben daher solche Policen bereits wieder aus dem Angebot genommen.
Verbraucherschützer raten zur gründlichen Prüfung der PKV Tarife

Verbraucherschützer raten zur gründlichen Prüfung der PKV Tarife

Verbraucherschützer kritisieren die Billigtarife im privaten Krankenversicherungssystem (PKV), seit es diese Discount-Tarife gibt. Die Versicherten wüssten erst, auf was sie sich eingelassen hätten, wenn „sie älter oder krank werden und Leistungen benötigen, die sie nicht bekommen“, so Thorsten Rudnik, Vorstandsmitglied des Bundes der Versicherten (BdV). Bereiche wie z.B. die Psychotherapie gehören in vielen Fällen nicht zur Versicherung. Rudnik spricht den Billigtarifen der PKV daher die Existenzberechtigung ab. Auch Lars Gatschke, Versicherungsexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen rät den Kunden davon ab, sich für einen der so genannten Billigtarife zu entscheiden. Diese Tarife ließen im Rahmen von Beitragssteigerungen der privaten Krankenversicherung im Laufe der Jahre überdurchschnittliche Erhöhungen erwarten, so Gatschke. Zudem gibt er zu Bedenken, dass bei einem Wechsel in die private Krankenversicherung immer die eigene wirtschaftliche Lage berücksichtigt werden sollte.

Tarife für Selbständige

Der intensive Wettbewerb im privaten Krankenversicherungssystem hat die extrem günstigen Tarife hervorgebracht. Angestellte, die über einen guten Verdienst verfügen, befinden sich zwar auch im Fokus der privaten Krankenvollversicherung. Doch insbesondere jungen Selbständigen mit einem verhältnismäßig geringen Einkommen werden die Billigtarife der PKV angeboten. Mittel- oder langfristig können sie in höherwertige Tarife wechseln, so die Intention vieler Anbieter. Wer dies tut, kann tatsächlich auch von den günstigen Einsteigertarifen profitieren. Versäumt man aber den rechzeitigen Wechsel, entstehen Nachteile.

Wechsel zu anderem PKV-Tarif häufig zu spät

Denn: Wenn Versicherte durch Alter oder Krankheit feststellen, dass sie den benötigten Leistungsumfang in ihrem Tarif nicht erhalten, kann es für einen PKV-Wechsel bereits zu spät sein. Möchte ein gesunder Versicherter von einem Tarif aus dem Niedrigpreissegment in einen höherwertigen PKV-Tarif wechseln, kann er auf eine Wechseloption zurückgreifen. Diese bieten viele Unternehmen innerhalb eines Zeitraums von wenigen Jahren nach Abschluss des Vertrages an. Dann kann der Kunde angesparte Altersrückstellungen zu seinem neuen Tarif mitnehmen und muss auch die Gesundheitsprüfung nicht erneut absolvieren. Laut Rudnik machten die Menschen jedoch insbesondere in den ersten Jahren keinen Gebrauch davon. Später gilt: Umfasst der Zieltarif Mehrleistungen, darf der Anbieter für die Erhöhung der Zusage ggf. eine erneute Gesundheitsprüfung oder einen Risikozuschlag einfordern. Rudnik sieht weiterhin „ein hohes Streitpotenzial“, wenn es darum geht, ob Vermittler die Kunden über die Konsequenzen einer Billig-Versicherung informieren bzw. dies dokumentarisch nachweisen können.

Anbieter: Differenzierte Ansichten zu Billigtarifen

Central und DKV haben sich bereits aus dem Billigtarifsegment zurückgezogen bzw. werden dies bis Ende des Jahres tun. Für beide PKV-Anbieter hat es sich nach eigenen Aussagen nicht gelohnt, Tarife aus dem Niedrigpreissegment anzubieten. Sie möchten ihren Fokus nun verstärkt auf das klassische Kundenspektrum ausrichten und wollen wieder verstärkt mit Qualität punkten. Andere Anbieter setzen dagegen weiterhin auf die günstigen Tarife. Die sehen darin eine bedarfsgerechte Versorgung ihrer Kunden.