Pflegeversicherung

Pflege: Fachkräftemangel durch Greencard beseitigen

Samstag, 28. Aug 2010, 10:22 von
Der Arbeitgeberverband Pflege fordert eine Greencard für Pflegekräfte aus dem Ausland, um den Fachkräftemangel in Deutschland auszugleichen. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird sich bis 2050 auf rund 4,4 Millionen Menschen verdoppeln. Die Pflegeversicherung stößt an ihre Grenzen, denn schon jetzt fehlen 50.000 Pflegekräfte.
In der Pflege fehlt es an qualifiziertem Fachpersonal.

In der Pflege fehlt es an qualifiziertem Fachpersonal.

Laut dem Arbeitgeberverband Pflege sei das Problem des Fachkräftemangels in der Pflegeversicherung mit deutschem Personal nicht zu bewerkstelligen. „Das Konzept Frau pflegt Frau, Mann pflegt Mann und das auf Deutsch wird es nicht mehr geben“. Deshalb fordert der Vorsitzende des Verbands, Thomas Greiner, die Eintrittsbedingungen für ausländische Kräfte zu vereinfachen: „Ausländische Kräfte müssen kommen und hier arbeiten dürfen ohne bürokratische Auflagen wie perfekte Sprachkenntnisse“. Grund für den steigenden Bedarf sei nicht nur die zunehmende alternde Gesellschaft, sondern auch das Abwandern von Fachkräften ins Ausland, z.B. nach Österreich oder in die Schweiz. Dort finden die Arbeitnehmer bessere Arbeitsbedingungen vor. Die Qualität der Pflege in Deutschland leidet unter diesen Problemen, und Leistungen der Pflegeversicherung können vielfach kaum abgerufen werden. 

Erschwerter Zugang für ausländische Kräfte

Bislang ist der Zutritt auf den deutschen Arbeitsmarkt für Arbeitnehmer aus den EU-Beitrittsländern vom 1. Mai 2004 noch beschränkt. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit tritt erst 2011 ein, dann haben Arbeitnehmer aus Mittel- und Osteuropa uneingeschränkten Zutritt zum deutschen Arbeitsmarkt, viele Arbeitskräfte aus diesen Ländern arbeiten bereits illegal in der deutschen Pflegebranche. Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer e.V. (bpa) forderte eine Greencard für Personal aus Nicht-EU-Staaten für die Pflege. Deutsche und europäische Fachkräfte werden nicht ausreichen, so Meurer. 

Kritik von Gewerkschaften

Pflegeverbände und Gewerkschaften äußerten heftige Kritik an der Forderung einer Greencard. Die Gründe für den Fachkräftemangel sei gerade von den Leuten zu verantworten, die Arbeitskräfte aus dem Ausland forderten. Geringe Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen machen einen Pflegeberuf nicht besonders attraktiv. Viele Leute assoziieren damit harte Knochenarbeit, viel Stress und Dumpinglöhne. Für gut ausgebildete Leute aus Deutschland ist es sehr schwer, mit dem Job ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, sie können nicht konkurrieren. Viele Pflegeeinrichtungen beschäftigen viele ausländische Arbeitskräfte, legal und illegal, 1-Euro-Jobber oder Zivildienstleistende. „Wer Tarifdumping sät, der erntet Fachkräftemangel“, so Ellen Paschke, Bundesvorstandsmitglied der Gewerkschaft Verdi. Doch der Fachkräftemangel lasse sich leicht beheben, sagte Paschke: „mit vernünftigen Löhnen und menschenwürdigen Arbeitsbedingungen“.

Nachwuchs für den Pflegeberuf

Mit diesen Maßnahmen könnte in erster Linie das Potential von Arbeitskräften in Deutschland genutzt werden. Mehr Menschen würden sich für den Pflegeberuf begeistern und junge Leute eine Ausbildung in dieser Richtung ergreifen. Anstatt Einwanderung aus dem Ausland zu unterstützen, könnte somit vielen Arbeitssuchenden und Menschen mit Migrationshintergrund eine Perspektive geboten werden. Außerdem ist geplant, durch Bachelor und Master neue akademische Abschlüsse für die Pflegeberufe einzuführen. Dadurch soll das Berufsbild für junge Menschen attraktiver und die Qualität der Pflege und die Leistungen der Pflegeversicherung gesteigert werden.