Menschen mit kleinem Einkommen sind öfter krank
Mittwoch, 12. Okt 2011, 14:06 von Jutta Wellding-Trostel
Statistische Erhebungen sollen ein Spiegel der Realität sein
Sicherlich stellt man sich oft die Frage, welchen Sinn eigentlich solche Erhebungen haben. Auf den ersten Blick erschließt sich der Nutzen manchmal kaum, doch tatsächlich sind Umfragen, Statistiken und Studien Grundlage politischen Handelns. Wenn sich die Akteure in Staat und Politik ein Bild der Lebenswirklichkeit ihres Landes machen wollen, greifen sie in vielen Fällen auf die erhobenen Daten zurück. So können Zahlen und Fakten zur Basis für Gesetze und Verordnungen werden und unter Umständen die gesamte Tendenz politischer Entscheidungen bestimmen. Der diesjährige Bericht macht vor allem eines deutlich: Wer in Deutschland einmal von Armut betroffen ist, kann diesem Zustand kaum entrinnen. Dieses Risiko ist seit den 1980er Jahren permanent größer geworden. Damals blieben 57 Prozent der einkommensschwachen Bevölkerung permanent in ihrer Situation, heute sind es bereits 65 Prozent.
Geringes Einkommen verursacht pessimistische Einstellung
Diese Gesamtlage hat weitgehende Auswirkungen, und das nicht nur auf dem materiellen Sektor. Der Datenreport 2011 beschreibt eine Situation, nach der Personen mit geringem Einkommen sicherlich auf viele Dinge verzichten müssen und deshalb unzufrieden sind. Die generelle Lebenssituation hat aber auch große Auswirkungen auf Wohlbefinden und Gesundheit. Materieller Mangel hat offensichtlich Folgen für die Einschätzung der Qualität der eigenen Lebensumstände und der eigenen Gesundheit.
Wenig Geld plus wenig Bildung gleich Krankheit
Die Daten des Reportes weisen nach, dass Menschen mit geringem Einkommen und niedriger Bildung häufiger krank sind als andere. Auch eine weniger qualifizierte berufliche Stellung führt dazu, dass die Betroffenen sich mit schlechterer Gesundheit abfinden müssen. Nicht nur objektive Daten spielen dabei ein Rolle, sondern ebenfalls die subjektive Wahrnehmung. Menschen mit "niederer Stellung" schätzen ihre eigene Gesundheit, ihre gesundheitliche Lebensqualität und die Perspektiven viel negativer ein. Die erhobenen Daten wiesen aber tatsächlich nach, dass Menschen ab 45 Jahren mehr Schlaganfälle und Herzinfarkte erleiden als andere. Auch Bluthochdruck, Diabetes und Depressionen treten stärker in dieser Bevölkerungsgruppe auf. Gründe dafür sind nach den Angaben des Berichtes zu viel Alkohol, zu viel Nikotin, falsche Ernährung und zu wenig Bewegung.
Mehr Kranke und Verletzte als im letzten Bericht
Insgesamt scheint sich der Gesundheitszustand der deutschen Bevölkerung in den letzten zwei Jahren verschlechtert zu haben. Im Jahr 2005 haben sich 13 Prozent der Befragten als krank oder verletzt bezeichnet. Im Jahr 2009 fiel diese Bilanz deutlich schlechter aus. Danach hielten sich 14 Prozent der Bevölkerung für krank und ein Prozent für verletzt. Dabei war das Alter der Befragten durchaus ausschlaggebend für den Gesundheitszustand. Zwischen 15 und 39 Jahren gab es elf Prozent Kranke und Verletzte, von 40 bis 65 Jahren waren es schon 14 Prozent und bei den über 65-Jährigen waren 23 Prozent krank. Einen Arzt suchten 86 Prozent der Kranken wegen ihrer Beschwerden auf. 75 Prozent der Kranken konnte mit einer ambulanten Behandlung geholfen werden, elf Prozent mussten in eine Klinik eingeliefert werden.
Bildung und familiäre Bindungen wichtige Faktoren
Allgemein gesehen haben Familie und Bildung einen großen Einfluss auf die Lebensqualität und damit auch auf die Gesundheit der Menschen in Deutschland. Die sozialen Beziehungen sind vielfältiger geworden. Im Vergleich zum Jahr 2000 gibt es einerseits weniger Ehepaare, doch die Zahl der Lebensgemeinschaften hat um 24 Prozent zugenommen. 80 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass die Familie für ein glückliches Leben unabdingbar ist. Bildung rangiert sehr weit oben, wenn es um materiellen Wohlstand geht. Doch auch für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und bei sozialen Kontakten ist Bildung für die Befragten Schlüssel und Voraussetzung.





