Kinderwunsch nach Krebstherapie

Krankenkassen zahlen nicht für das Einfrieren von Samenzellen

Freitag, 01. Okt 2010, 16:03 von
Es ist medizintechnisch möglich, dass Männer ihre Samenzellen einfrieren und lagern können. Bei einer Unfruchtbarkeit ist die Erfüllung eines Kinderwunsches so noch möglich. Das Bundessozialgericht hat nun entschieden, dass die Kosten für Einfrieren und Lagern nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden müssen.
Das Konservieren von Samenzellen muss jeder selber zahlen

Das Konservieren von Samenzellen muss jeder selber zahlen

Das Bundessozialgericht musste den Fall eines 42jährigen Mannes entscheiden, der an Darmkrebs erkrankt war. Sein Karzinom sollte mit einer Chemotherapie und Bestrahlungen behandelt werden. Durch eine solche Behandlung können die männlichen Samenzellen absterben. Dieser Prozess kann bis zur Azoospermie, also zum totalen Fehlen von Samenzellen führen. Das Risiko, dass die Krebsbehandlung eine Unfruchtbarkeit zur Folge hat, kann nicht exakt benannt werden. Die Meinungen von Fachleuten gehen dabei auseinander, so dass man zu Werten zwischen 20 und 50 Prozent kommt. Die Medikamente, die bei den Krebstherapien verwandt werden, verändern die Prozesse der Zellteilung. Durch diese Medikamente werden nicht nur die Tumorzellen beschädigt. Bei Männern sind können auch die Samenzellen betroffen sein.

Konservierung der Samenzellen möglich  

Um den Konsequenzen einer Krebsbehandlung vorzubeugen, können Männer ihre Samenzellen einfrieren lassen. Diese Methode wird als Kryokonservierung bezeichnet. Die Zellen werden in flüssigem Stickstoff eingefroren und dann gelagert. Die Funktionen und die Vitalität der Zellen bleiben völlig erhalten. Werden die Samenzellen aufgetaut, so sind sie sofort in der Lage, ihre Funktionen wieder auszuführen. Einem Kinderwunsch steht auch ohne reale Zeugungsfähigkeit nichts mehr im Weg.

Klage überall abgewiesen   

Bei der Gerichtsverhandlung ging es um die Kosten der Prozedur. Eine Kryobank berechnet rund 700 Euro für die ersten zwölf Monate der Einlagerung. Der Kläger verlangte von seiner gesetzlichen Krankenkasse, der Barmer GEK, dass sie die Kosten übernehmen soll. Er hatte bereits in verschiedenen Vorinstanzen ausschließlich die Ablehnung seiner Forderungen erfahren. Das Bundessozialgericht (BSG) machte dabei keine Ausnahme. Die Kasseler Richter wiesen die Klage ab. Die Kryokonservierung, so urteilten die Richter, liege ohne Ausnahme in der “Eigenverantwortung der Versicherten”.

Sachverhalt bei Frauen anders

Zu Anfang diesen Jahres hatte das BSG ein Urteil gefällt, dass für Frauen bedeutsam ist. Frauen können sich vor einer Krebsbehandlung Eierstockgewebe entnehmen und einfrieren lassen. Das eingefrorene Gewebe kann dann reimplantiert werden und so die Möglichkeit auf eine Schwangerschaft gewahrt bleiben. Die anfallenden Kosten müssen die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen. (Aktenzeichen B 1 KR 10/09 R)

Kosten der Samenbank keine Leistungspflicht

Der Anwalt des Klägers empfindet das als ungleiche Behandlung von Männern und Frauen. “Sein Pech ist nur, dass er sein Erbgut außerhalb des Körpers einlagern muss.“ sagte er. Doch die Richter am Bundessozialgericht stimmten den Argumenten der Barmer GEK zu. Eine gesetzliche Krankenversicherung muss nur für eine ganz konkrete künstliche Befruchtung zahlen. Auch eine Behandlung, die eine natürliche Schwangerschaft wieder möglich macht, fällt in die finanzielle Zuständigkeit der Krankenkassen. Doch das alles gilt nicht für den prophylaktischen Gang zur Samenbank. (Aktenzeichen B 1 KR 26/09 R)