Falsche Abrechnungen im Krankenhaus

Klinikabrechnungen werden den Bundestag beschäftigen

Donnerstag, 13. Okt 2011, 13:31 von
Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) prüft die Abrechnungen der Kliniken für gesetzlich versicherte Patienten. Immer wieder führen diese Überprüfungen zu Auseinandersetzungen. Der MDK stellt relativ häufig Fehler in den Abrechnungen fest. In rund 45 Prozent der Fälle sollen die Rechnungen zu hoch ausgefallen sein.
Die Krankenkassen zweifeln Rechnungen der Kliniken an

Die Krankenkassen zweifeln Rechnungen der Kliniken an

Durchschnittlich haben die Prüfer jede Rechnung um 700 Euro gekürzt. Die beanstandeten Beträge wurden in den vergangenen Jahren immer höher. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) beziffert das Potential der Rückforderungen insgesamt auf 1,5 Millionen Euro. Die Krankenhäuser wehren sich gegen solche Darstellungen und gehen nun zum Gegenangriff über. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat dem Bundesministerium für Gesundheit einen Entwurf für ein neues Gesetz vorgelegt. Danach sollen sämtliche Prüfungen, die als Grundlage lediglich die Akten nutzen, weitgehend abgeschafft werden. Die Kontrollen des MDK sollen ausschließlich in Räumen des betreffenden Hauses stattfinden. Allgemein sollen die Prüfungen strukturell verbessert und in kürzerer Zeit abgeschlossen werden. Wenn es verschiedene Auffassungen gibt, sollen Prüfer und Ärzte die Klärung in einem persönlichen Gespräch herbeiführen. Die gesetzlichen Prüfungen sollten nicht dazu instrumentalisiert werden, notwendige medizinische Leistungen zu minimieren, macht DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum klar.

Gutachten zu Abrechnungen widerlegt die Vorwürfe

Grundlage für den Gesetzesentwurf ist ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO, das von der DKG in Auftrag gegeben wurde. Danach sind 96 Prozent aller Krankenhausrechnungen korrekt. Differenzen entstehen letztlich nicht durch die Rechnungen als solche, sondern durch unterschiedliche Bewertungen von Details. In jedem Jahr müssen die Kliniken 700 Millionen Euro für Prüfungskosten bereitstellen. Die Bürokratie der Prüfungen binde Zeit und Kapazität  des Personals, das dann bei der Versorgung der Patienten fehle. Die Kliniken seien zum Nachgeben gezwungen, weil ihnen sonst jahrelange Gerichtsverfahren drohen.

Kritik an den Prüfern und ihrem Vorgehen 

Die Prüfer zweifeln nach Ansicht Baums und der Wirtschaftsprüfer nachträglich medizinische Leistungen an, die während der Versorgung der Patienten notwendig wurden. Das Gutachten weise nach, dass die Prüfer die Krankenhäuser nötigen wollen, die Patienten schneller zu entlassen. Sie wollen „blutige Entlassungen“ erzwingen. Es gebe unvorstellbare Auswüchse bei den Prüfungen, so Baum. Oft erst nach vielen Wochen sitze ein MDK-Prüfer am Schreibtisch und ist der Meinung, dass eine ältere Frau mit einer Herzinsuffizienz zu lange behandelt worden sei. Es hätte sogar Beanstandungen gegeben, weil "der Versuch, den Fuß einer Patientin zu retten, zugunsten einer frühen Amputation hätte aufgegeben werden müssen". Solche und ähnliche Fälle von Prüfungsergebnissen könnte jedes Krankenhaus vorweisen, so Baum.

GKV akzeptiert das Gutachten nicht

Der GKV-Spitzenverband hat das BDO-Gutachten als "Auftragsarbeit" bezeichnet. Die falschen Rechnungen seien keine Kleinigkeit. Verbandssprecherin Ann Marini verlangt eine pauschale Zahlung von 300 Euro bei jeder fehlerhaften Rechnung. Für eine derartige Maßnahme plädiert auch Uwe Deh, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes der AOK. "Nur dies schafft Anreize für eine korrekte Abrechnung durch die Krankenhäuser."

Gesetzesentwurf ist ein Ablenkungsmanöver

Auch der Gesetzesentwurf der DKG löst nicht überall Zustimmung aus. Peter Pick ist Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbandes (MDS). Für ihn hat die Initiative nur eine einzige Stoßrichtung: Sie soll formale Hürden aufstellen und so die Zahl der Prüfungen begrenzen. Auf diese Weise soll der Aufwand für die Prüfungen weg von den Kliniken auf den MDK übertragen werden. "Damit lenkt die DKG vom eigentlichen Problem mangelnder Abrechnungsqualität in Krankenhäusern ab", sagt Peter Pick.