Bericht zur Pflegequalität

Immer noch unzureichende Pflege für viele Heimbewohner

Mittwoch, 25. Apr 2012, 13:43 von
Noch vor fünf Jahren hatte der Bericht zur Qualität der Pflege des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (MDS) für Erschrecken gesorgt. Ein Drittel der Pflegebedürftigen wurde nur mangelhaft ernährt. Der aktuelle Bericht des MDS sieht zumindest Fortschritte in Teilbereichen.
Im Pflegeheim müssen die Patienten oft zu viele Medikamente schlucken

Im Pflegeheim müssen die Patienten oft zu viele Medikamente schlucken

Die Pflegereform aus dem Jahr 2008 hat es mit sich gebracht, dass die stationären Pflegeeinrichtungen ohne Anmeldung überprüft werden. Für den neuen Bericht haben die Kontrolleure zwischen Juli 2009 und Dezember 2010 rund 8.100 Heime und 7.800 ambulante Dienste kontrolliert. Die Befindlichkeit von 62.000 Bewohnern in Pflegeheimen und von 45.000 ambulant versorgten Pflegebedürftigen wurde begutachtet. Zunächst die gute Nachricht: Bei 95 Prozent der Heimbewohner konnten keine Mängel in Bezug auf ihre Ernährung festgestellt werden. Auch bekommen 80 Prozent der Menschen, die beim Essen und Trinken Hilfe brauchen, die notwendige Unterstützung. Im Jahr 2007 waren es nur 67 Prozent der Pflegebedürftigen, die den notwendigen Beistand beim Essen erhielten. Auch die Pflege der dementen Patienten hat sich, wenn auch nur mäßig verbessert. Der Prozentsatz von speziellen Förderangeboten ist seit 2007 von 67 auf 76 Prozent gestiegen.

Druckgeschwüre sind weiterhin ein großes Problem

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Auf vielen Gebieten konnten die Prüfer noch Missstände und Gefahren für die Pflegebedürftigen ausmachen. So hat sich zum Beispiel bei der Gefahr der Druckgeschwüre kaum etwas geändert. Grob die Hälfte der Heimbewohner sind in der Gefahr, durch ständiges Liegen im Bett oder Sitzen im Rollstuhl an einem Dekubitus zu erkranken. Nur bei 60 Prozent dieser Patienten wurde mit Umlagerungen oder anderen Hilfsmitteln einem solchen Geschwür vorgebeugt. Auf diesem Gebiet hat sich kaum etwas geändert. Auch bei den Medikamenten gibt es dringenden Bedarf nach Verbesserungen. 18 Prozent der Pflegebedürftigen bekommen falsche Medikamente, falsche Dosierungen oder keine Hilfe bei der Einnahme.

Demenzkranke brauchen mehr persönliche Zuwendung  

Experten warnen bereits seit langem vor der Zunahme der Demenzkranken. In dem Bericht wird ein Problem thematisiert, das zukünftig noch brennender werden könnte. Rund 61 Prozent der Heimbewohner müssen sich mit den Folgen der Demenz auseinandersetzen. Wenn die Szenarien Wirklichkeit werden, so wird die Zahl der Patienten mit Demenz in den kommenden 50 Jahren auf 2,5 Millionen ansteigen. Für alle diese Menschen ist die Zuwendung eine sehr wichtige Komponente ihres Lebens. Sie brauchen spezielle Förderungen, Angebote für Beweglichkeit und zur Verbesserung ihrer Wahrnehmung. Zwar gibt es auch hier leichte Fortschritte, doch generell fehlt dem Pflegepersonal einfach die Zeit, so dass die aktive Beschäftigung mit den Patienten nicht ausreichend ist. In den Einrichtungen wird zu wenig Wert auf das seelische Wohl der Patienten gelegt.

Zu viele Patienten werden ruhig gestellt    

Der Bericht will auch darauf aufmerksam machen, dass 140.000 Heimbewohner sich nicht frei bewegen können. Sie sind sogenannten "freiheitsentziehenden Maßnahmen" ausgesetzt, sind mit Gurten oder Gittern ans Bett oder den Rollstuhl gefesselt. Auch die erzwungene Einnahme von Psychopharmaka gehört zu solchen Maßnahmen. Rund 140.000 Heimbewohner müssen solche Fesselungen erdulden. Dabei fehlt für jeden zehnten Patienten die notwendige richterliche Anordnung.

Aussichtsreiche Tendenz in der Pflege

Trotz all dieser Mängel sieht der MDS-Geschäftsführer Peter Pick eine positive Entwicklung. "Die Qualität der Pflege in Deutschland ist überwiegend gut", so seine Auffassung. Doch übte er auch Kritik an den Einrichtungen, die ihre Patienten nicht nach nach den anerkannten Standards pflegen. Dort gebe es akuten Handlungsbedarf. Jens Spahn, der Gesundheitsexperte der Unionsfraktion, geht noch einen Schritt weiter. "Dort wo es Missstände gibt, muss die Aufsicht hart durchgreifen und notfalls endlich auch Einrichtungen schließen", sagte Spahn der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Hier der vollständige Bericht des MDS