Medizinische Versorgung

Hausarztverträge: Barmer GEK fordert Qualitätsverbesserungen

Freitag, 05. Aug 2011, 12:33 von
Deutschlands größte Krankenkasse, die Barmer GEK hat bereits rund 230 Verträge zur Integrierten Versorgung abgeschlossen. Nach Angaben ihres stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Dr. Rolf-Ulrich Schlenker sollte bei Hausarztverträgen jedoch eine qualitative Verbesserung erfolgen. Kritisiert wird das Vorhaben hingegen von der KV Bayern.
Hausarztvertrag: Barmer GEK fordert einen "Qualitätssprung"

Hausarztvertrag: Barmer GEK fordert einen "Qualitätssprung"

Die Integrierte Versorgung ist die Idee einer sektorenübergreifenden Versorgungsform im Gesundheitswesen. Seit Inkrafttreten des GKV-Modernisierungsgesetzes 2004 wurde die Umsetzung dieses Versorgungsmodells Schritt für Schritt vorangetrieben. Besonders häufig werden in diesem Bereich Hausarztverträge abgeschlossen, um zum einen die einzelnen Akteure verstärkt zu vernetzen und zum anderen die Patientenversorgung zu verbessern. Auch die Barmer GEK ist nach eigenen Angaben ein “großer Befürworter von Hausarztverträgen”. Sie sollten aber auch eine qualitative Verbesserung der Versorgung bringen, forderte der stellvertretende Vorsitzende Dr. Rolf-Ulrich Schlenker beim Barmer GEK Forum 2011 an der Hochschule Deggendorf in Bayern. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) kritisierte das Vorhaben der Kasse nach einem Bericht der “Ärzte Zeitung” jedoch scharf: “Bisher versorgen noch immer Ärzte die Patienten und nicht die Kassen."

Barmer GEK: Mängel bei Hausarztverträgen

Laut Barmer GEK-Vize Schlenker müsse sich ein Hausarztvertrag rechnen und sollte einen "qualitativen Sprung” darstellen. Da dies derzeit noch nicht der Fall ist, sei er “augenblicklich nicht geneigt”, Verträge abzuschließen, die sich lediglich auf die Verkürzung von Wartezeiten oder auf das Angebot von Samstagssprechstunden beschränken, erklärte Schlenker bei der Fachtagung, an der laut der “Ärzte Zeitung” etwa 150 Experten aus dem Gesundheitswesen sowie Politik und Wirtschaft teilnahmen.

Verstärkte Vernetzung gefordert

Zudem sei seiner Meinung nach problematisch, dass den Kassen gesetzlich vorgeschrieben werde, mit welchem Partner ein Hausarztvertrag geschlossen werden soll. “Wir würden am liebsten mit den Kassenärztlichen Vereinigungen verhandeln”, erläutert der Kassen-Vize weiter. Darüber hinaus wünsche er sich auch eine intensivere Zusammenarbeit mit den Ärztenetzen, um auf diesem Weg neue Versorgungsformen zu erproben. Allerdings habe die Barmer GEK für solche populationsbezogenen Versorgungsverträge nicht genügend Marktanteil, räumte Schlenker ein. Die Krankenkasse widme sich aber traditionell intensiv der Versorgungsforschung mit deren Erkenntnissen bereits zahlreiche Versorgungsprogramme entwickelt worden seien. Als Beispiele nannte Schlenker hier Programme für Rücken- oder Herzkreislauferkrankungen, psychiatrisches Fallmanagement sowie für die Versorgung älterer Menschen.

KVB: "Ärzte und nicht Kassen versorgen Patienten"

Anders sieht dies jedoch der Vorstandsvorsitzende der KV Bayerns (KVB), Dr. Wolfgang Krombholz: “Bisher versorgen noch immer die Ärzte die Patienten und nicht die Kassen”, kommentierte er den Anspruch der Barmer GEK, die Versorgung vermehrt steuern zu wollen. Versorgungssteuerung sei Alltag in jeder Praxis und in jedem Krankenhaus. Aus seiner Sicht könne es auch nicht primär darum gehen, "ob sich ein Vertrag rechnet", sagte Krombholz. "Entscheidend ist, was die Patienten davon haben."

Krankenkassen sind zum Hausarztmodell verpflichtet

Mittlerweile sind die gesetzlichen Krankenkassen dazu verpflichtet ihren Versicherten eine Hausarztzentrierte Versorgung bzw. das Hausarztmodell anzubieten. Innerhalb dieser Form der medizinischen Versorgung koordiniert der Hausarzt als erste Anlaufstelle für den Patienten sämtliche Behandlungsschritte. Neben einer verbesserten Versorgung ist eine langfristige Kostensenkung Ziel der Koordinierung.