Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen

Finanztest nimmt Zusatzleistungen der Kassen unter die Lupe

Dienstag, 22. Mai 2012, 13:45 von
Die Gesundheit ist den Deutschen viel wert. Dafür geben sie rund 600 Euro im Jahr aus, und das zusätzlich zu den Beiträgen zur Krankenversicherung. Doch so mancher Euro könnte eingespart werden, denn viele Krankenkassen zahlen viele Sonderleistungen. Versicherte müssen sich nur informieren und Anträge stellen.
Die Krankenkassen bieten viele Leistungen an, von denen die Versicherten nichts wissen

Die Krankenkassen bieten viele Leistungen an, von denen die Versicherten nichts wissen

Das neue Versorgungsstrukturgesetz bietet für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) eine ganze Reihe von neuen Möglichkeiten. Die Krankenkassen können zusätzliche Leistungen oder auch spezielle Tarife in ihre Satzungen aufnehmen. Auf diese Weise soll der Wettbewerb zum Nutzen der Versicherten angeregt werden. Doch viele Versicherte haben von solch verbesserten Bedingungen keine Kenntnis. Deshalb hat die Zeitschrift Finanztest in ihrer neuen Ausgabe die Angebote von 88 Krankenkassen überprüft. Für die Tester war es besonders wichtig, dass die Leistungen der Krankenkassen bekannt werden. Vor allem Wechselwillige, neue Kunden und Versicherte, die ihren Schutz verbessern wollen, sollten die Leistungen der Kassen gut kennen. Nur so ist eine angemessene Entscheidung möglich. Alle gesetzlich Versicherten sollten sich immer wieder über neue Möglichkeiten informieren, die ihre Krankenkasse bietet.

Beispiele für wenig bekannte Hilfen  

Finanztest hat als Beispiel die Unterstützung für Termine beim Facharzt angeführt. Viele Versicherte wissen nicht, dass sie für einen solchen Termin bei ihrer Kasse Hilfe bekommen können. Doch die Tester haben festgestellt, dass nahezu 50 Prozent der getesteten Krankenkassen sogar über eine eigens eingerichtete Hotline verfügen, die den Patienten bei der Vermittlung von Terminen Hilfestellung leistet. Auch die finanzielle Unterstützung für eine Haushaltshilfe kann bei schwerer Krankheit ein wichtiger Aspekt sein. Nahezu alle AOKs und viele BKKs zahlen in solchen Fällen bis zu 66 Euro täglich. Die Leistung muss nur beantragt und mit einem ärztlichen Attest begründet werden.

Homöopathie und Reiseimpfungen auf Kassenkosten

Ein für viele interessantes Thema könnte ebenfalls die Homöopathie sein. Eine ganze Reihe der überprüften Krankenkassen haben homöopathische Behandlungen in ihrem Angebot. Allerdings gibt es eine Einschränkung: Die Behandlung darf nicht von einem Heilpraktiker, sondern muss von einem Arzt durchgeführt werden. Der Arzt muss ein schulmedizinisches Studium und zusätzlich eine homöopathische Ausbildung vorweisen können. Wer sich für eine homöopathische Behandlung und vor allem für die sehr gründliche Anamnese bei einem Homöopathen interessiert, sollte sich eine entsprechende Kasse aussuchen. Auch Reiseimpfungen können stark ins Geld gehen. Die Impfung gegen Hepatitis, die für eine ganze Reihe von Urlaubszielen empfohlen wird, kostet zum Beispiel rund 230 Euro. Versicherte sollten sich erkundigen, ob ihre Kasse die Kosten für die Reiseimpfungen und vielleicht auch für eine Impfberatung übernimmt.

Versorgung im Ernstfall hat Priorität  

Doch nicht nur Ersparnisse und Sonderleistungen sollten für gesetzlich Versicherte wichtig sein. Die gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen müssen bestmöglich umgesetzt werden. Die Krankenkassen sind eigentlich kein Feld für Schnäppchenjäger. Im Vordergrund muss stehen, dass sich ein Patient bei seiner Krankenkasse gut aufgehoben fühlt. Es kann durchaus zu Situationen kommen, bei der die Extraleistungen nicht so bedeutsam sind. Wer krank ist, will gut versorgt sein. Bei einer ernsthaften Krankheit sind es nicht die Extras, die zählen. Das Vertrauen in die Fähigkeit der Kasse ist ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl.

Wechsel nur nach sorgfältiger Prüfung

Von einer schnellen unüberlegten Kündigung rät auch Finanztest ab. Sind die Erfahrungen mit der Krankenkasse und den Ansprechpartnern positiv, so sollte man das nur bei schwerwiegenden Gründen aufgeben. Vor allem der persönliche Kontakt ist oft durch nichts zu ersetzen. Viele Krankenkassen sind fast rund um die Uhr am Telefon zu erreichen, auch schriftlich kann man sich bei seiner Kasse informieren und beraten lassen. Doch bei schwierigen Sachverhalten, bei komplizierten Fragen oder beim Ausfüllen von Anträgen ist die persönliche Zuwendung oft wichtiger als jede noch so schöne Extraleistung.