Hauptstadtkongress

Experten: Privat und Gesetzlich werden sich weiter annähern

Freitag, 15. Jun 2012, 11:45 von
Die Diskussion um die Zukunftsfähigkeit der privaten Krankenversicherung scheint weiter ungebrochen. Experten sind sich jedoch einig: Die PKV wird auch noch im Jahre 2020 existieren, jedoch wird sie an ihre heutige Form kaum noch erinnern. Dies ist das Ergebnis einer Podiumsdiskussion des aktuellen Hauptkongresses Medizin und Gesundheit.
Experten prognostizieren eine allmähliche Annäherung von gesetzlich und privat

Experten prognostizieren eine allmähliche Annäherung von gesetzlich und privat

Der sogenannte Hauptstadtkongress mit seinen jährlich rund 8.000 Fachbesuchern zählt zu den wichtigsten Veranstaltungen für Entscheider im deutschen Gesundheitswesen. Hier werden jährlich aktuelle Problematiken sowie wichtige Reformvorhaben diskutiert und erste Lösungsansätze zur Modernisierung des Gesundheitssystems in Aussicht gestellt. Vom 13. bis 15. Juni finden in diesem Jahr unter dem Dach des Hauptstadtforums Gesundheitspolitik die drei Fachkongresse “Krankenhaus Klinik Rehabilitation 2012”, “Deutscher Pflegekongress 2012” und das “Deutsche Ärzteforum 2012” statt. Dabei diskutieren über 600 Referenten in 180 Veranstaltungen. Nach Angaben der “Ärzte Zeitung” war dabei auch die Nachhaltigkeit der privaten Krankenversicherungsunternehmen ein viel diskutiertes Thema. 

Allmählicher Abschied vom dualen System

Mit einem vorzeitigen Ende der privaten Krankenkassen rechnen die Experten nicht:  “Wir werden eine Annäherung der beiden Systeme erleben. Die gesetzliche Krankenversicherung wird Elemente der privaten Krankenversicherung übernehmen und die PKV wird sich ihrerseits Elemente der GKV aneignen”, sagte Professor Johann-Mattthias Graf von der Schulenberg, Direktor des Instituts für Versicherungsbetriebslehre und Leiter der Forschungsstelle für Gesundheitsökonomie an der Leibniz Universität Hannover voraus.

Private müsse als Korrektiv neben Krankenkassen bestehen

Wie Volker Leienbach, Direktor des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband), ist der Gesundheitsökonom auch davon überzeugt, dass die gesetzliche Vollversicherung nur aufrechterhalten werden könne, wenn es die “PKV als Korrektiv” gebe. Dies widerspricht aber beispielsweise den Befürwortern einer solidarischen Bürgerversicherung, die einen Verzicht der PKV heutigen Bildes präferieren.

Grüne: Keine Existenzberechtigung der PKV

Angesichts der dauerhaften medialen Kritik räumt Leienbach aber auch ein, dass die private Versicherung sich in einzelnen Punkten reformieren müsse. Dies werde allerdings nur mit Unterstützung des Gesetzgebers gehen, macht der PKV-Verbandsdirektor weiter deutlich. Birgit Bender, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag sprach dagegen davon, dass die PKV als eigenständiges System keinerlei Existenzberechtigung mehr habe. Ihrer Meinung nach leisten die privaten Anbieter keinen Beitrag zur “Qualität und Wirtschaftlichkeit” und verfügten über keinerlei Steuerungsinstrumente”.

Beide Systeme haben ähnliche Probleme

Demgegenüber unterstreichen andere Experten die Gemeinsamkeiten und ähnliche Problematiken beider Systeme. Ihrer Ansicht nach werden beide Versicherungsarten demnach die “Funktion des Lotsen für ihre Versicherten” noch intensiver wahrnehmen müssen. “Versorgungsmanagement ist entscheidend, will man wirklich die Kosten pro Krankheitsfall senken”, so das Fazit von der Schulenbergs.