Entscheidung im Bundestag

Die umstrittene PID ist in engen Grenzen zugelassen

Freitag, 08. Jul 2011, 13:58 von
Fast vier Stunden lang dauerte die emotional geführte Debatte im deutschen Bundestag. Dann stand die Entscheidung zum umstrittenen Thema der Präimplantationsdiagnostik (PID) fest. Die noch unentschlossenen Politiker konnten von den Befürwortern der PID überzeugt werden. Zukünftig dürfen Paare in begrenzten Ausnahmefällen diese Methode nutzen.
Der deutsche Bundestag hat sich für die PID entschieden

Der deutsche Bundestag hat sich für die PID entschieden

Die PID kommt bei künstlicher Befruchtung zum Einsatz. Die Embryonen aus dem Reagenzglas können überprüft werden, bevor sie in die Gebärmutter der Frau eingesetzt werden. Grundsätzlich bleiben diese Untersuchungen verboten. Wenn aber bei den Eltern genetische Anlagen  vorhanden sind, die eine schwere Erbkrankheit des Kindes oder aber eine Tot- oder Fehlgeburt wahrscheinlich machen, dürfen die Embryonen untersucht werden. Die Paare müssen sich beraten lassen, außerdem muss eine Ethikkommission dem Verfahren zustimmen. Die Debatte war dem Thema angemessen. Die Abgeordneten gingen mit den jeweils Andersdenkenden äußerst respektvoll um. Es gab kaum Zwischenrufe oder Fragen. Der Entwurf für die PID passierte mit 326 Stimmen den Bundestag. 260 Abgeordnete waren für ein strenges und totales Verbot der PID ohne Ausnahmen, acht Abgeordnete wollen sich nicht festlegen und enthielten sich der Stimme.

Pro und Kontra in 40 Redebeiträgen  

Die Argumente der Redner bewegten sich im Grunde um zwei zentrale Punkte. Die Befürworter sagten, dass ein Verbot der PID im Gegensatz zur Pränataldiagnostik stehe. Mit diesen gesetzliche Vorgaben ist es in Ausnahmefällen möglich, Kinder noch sehr spät abzutreiben. Die Gegner wiesen darauf hin, dass die PID im Widerspruch sowohl zum Embryonenschutz als auch dem Gendiagnostikgesetzt stehe. Das Embryonenschutzgesetz lässt nur drei befruchtete Eizellen zu, für die PID werden aber mindestens acht Embryonen benötigt. Das Gendiagnostikgesetz untersagt eine Untersuchung auf Krankheiten, die sich erst später herausbilden.

Genaue Definition der Anwendung steht noch aus

Doch letztlich setzen sich die Befürworter der PID durch. Der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU, Johannes Singhammer (CSU) befürchtet, dass es nach der Entscheidung weitere langwierige Debatten um die ethischen Grundlagen geben wird. Er selbst sei sehr enttäuscht von der Entscheidung. "Die Entscheidung ist wie ein Seebeben", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Die Entscheidung im Bundestag wird seiner Auffassung nach noch weitere Auswirkungen auf mehrere Einzelgesetze haben. Vor allem ist es bisher völlig ungeklärt, welche "schwerwiegenden Erkrankungen" die Anwendung der PID erlauben sollen. Eine genaue Definition konnten die PID-Befürworter nicht liefern.

Katholische Kirche bedauert Zustimmung zur PID

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch aus Freiburg, sieht auch hier die großen Gefahren. "Wir bedauern die Entscheidung zutiefst", so sein Statement. Doch nun würde die katholische Kirche mit großem Nachdruck darauf bestehen, dass die Ausnahmefälle genau benannt, definiert und eng begrenzt werden. Wie viele der Gegner befürchte der Erzbischof einen  Dammbruch. Deshalb müsse in der Auskleidung des Gesetzes eine willkürliche Anwendung ausgeschlossen werden.

Evangelische Kirche bewertet die Diskussion positiv  

Diese Gefahr sieht auch Frank Otfried July, der Bischof der Evangelischen Landeskirche Württemberg. Er bedauert die Entscheidung der Politik ebenfalls. "Ich befürchte, dass aus der engen Begrenzung der Voraussetzung mit der Zeit doch eine stetige Erweiterung der Kriterien wird." Doch sei diese Entscheidung demokratisch gefallen und müsse deshalb respektiert werden. Es war seiner Ansicht mach ein konstruktiver Prozess. Es sei für die Gesellschaft wichtig und gut gewesen, über ein so existenziell bedeutsames Thema nachzudenken.

Entscheidung für das Leben

Die Familienministerin in Rheinland-Pfalz, Irene Alt von den Grünen, hält den Entschluss für eine "Entscheidung für das Leben". Viele Paare, die sich bisher wegen ihrer genetischen Belastung gegen Kinder entschieden hätten, könnten sich nun doch ihren Kinderwunsch erfüllen. Die Organisation pro familia geht sogar noch einen Schritt weiter. Man hätte sich noch weitergehende Zulassungen gewünscht. Allen Kritikern, die nun befürchten, dass Eltern nun nur perfekte Babys bekommen wollen, sagt der Frank Ulrich Montgomery, der Präsident der Bundesärztekammer: "Mit uns wird es kein Designerbaby geben."