Debatte um die private Krankenversicherung

Debeka-Chef: PKV sichert die Qualität des Gesundheitswesens

Mittwoch, 09. Mai 2012, 12:29 von
Die privaten Krankenversicherer (PKV) haben ein Image-Problem. So jedenfalls sieht Uwe Laue, Chef des Branchenführers Debeka, die jüngsten Diskussionen um die PKV. In einem Gespräch mit „Handelsblatt online“ sagt der Debeka-Chef, dass die Wahrnehmung der Branche in der Öffentlichkeit nicht der Realität entspricht.
Das negative Bild der PKV in der Öffentlichkeit hat kaum Bezug zur Realität

Das negative Bild der PKV in der Öffentlichkeit hat kaum Bezug zur Realität

Folgt man der aktuellen Debatte um die PKV, so könnte durchaus der Eindruck einer qualitativen Verschlechterung der allgemeinen Lage entstehen. Das aber sei nicht der Fall, sagt Laue. Es sind nur die spektakulären Einzelfälle, die dann die gesamte Branche in Verruf bringen würden. Die Darstellung der PKV durch Verbraucherschützer und Politiker sei gefärbt und definitiv schlechter als die Wirklichkeit. Für Laue ist die PKV auf gar keinen Fall am Ende, wie das in letzter Zeit der Öffentlichkeit suggeriert wurde.  Fehler sind auf jeden Fall gemacht worden, räumt er ein. Als Beispiel nennt er die "Exzesse bei den Provisionen". Man habe aber aus den Fehlern gelernt und Abhilfe geschaffen. Zu den Diskussionen um die Erhöhung der Beiträge sagte Laue: "Die Beitragssteigerungen bei einzelnen Unternehmen sind spektakulär, aber nicht repräsentativ."

Ohne PKV kein funktionierendes Gesundheitswesen

Den Kritikern müsse man entgegen halten, dass ohne das duale System mit privater und gesetzlicher Krankenversicherung die Qualität der medizinischen Versorgung nicht gehalten werden könne. Es ist von grundlegender Bedeutung für das gesamte Gesundheitswesen, dass ein Teil der Leistungserbringer höhere Preise verlangen kann. Das kommt dann wiederum der Allgemeinheit zugute. Doch ist es nach den Erfahrungen des Debeka-Chefs schwierig, diese Zusammenhänge zu verdeutlichen.

Bürgerversicherung als Modell ungeeignet

Trotz aller Kritik sieht Uwe Laue positiv und zuversichtlich in die Zukunft. Obwohl die Idee einer Bürgerversicherung immer mehr Anhänger findet, glaubt Laue nicht an eine Abschaffung der PKV. Wichtig sind für ihn Verantwortung und Aufrichtigkeit. "Die PKV muss versuchen, sauber zu bleiben." Für sein eigenes Unternehmen kann Laue ins Feld führen, dass es keine Billigtarife gibt, die Provisionen maßvoll und die Kosten kontrollierbar sind. Solche Tatsachen müssen verstärkt in die Öffentlichkeit gebracht werden. Es müsse den Menschen verdeutlicht werden, dass sich die Bürgerversicherung vielleicht gut anhört, aber überhaupt nichts gegen die Probleme im deutschen Gesundheitswesen ausrichten kann. "Alle Erfahrungen mit staatlich  organisierten Einheitssystemen zeigen, dass es früher oder später zur Rationierung und damit zu sozialen Verwerfungen kommt."

Mögliche Änderung bei der Aufnahme in die PKV  

Unwägbarkeiten sieht Laue bei der Einführung der Unisex-Tarife im kommenden Jahr. Ob die Kalkulation der neuen Tarife richtig sei, wird sich in den Reaktionen der Versicherten zeigen. Man müsse die Entwicklungen abwarten, denn Vorhersagen sind nur schwer zu treffen. Es ist ein weiterer interessanter Aspekt, dass Uwe Laue über eine Änderung der Richtlinien für die PKV nachdenkt. Es gibt außer für den Basistarif keinen Aufnahmezwang. Die Versicherer können Kunden ablehnen, die voraussichtlich zu viele Kosten verursachen. Für Beamte gilt das nicht, denn die Staatsbediensteten werden nicht abgelehnt. Nach den Aussagen Laues könnte sich die Debeka vorstellen, dass man diese Praxis auch auf alle anderen Arbeitnehmer ausweiten könnte.

Nach den nächsten Wahlen

Auch die Frage, ob die PKV die kommende Wahl zum Bundestag überleben wird, beantwortet der Debeka-Chef positiv. Das zweigliedrige System der Krankenversicherungen wird seiner Ansicht nach erhalten bleiben, unabhängig von den politischen Konstellationen in Berlin. Das Grundgesetz garantiert eindeutig den Schutz des Eigentums, und es könne niemand die Altersrückstellungen der PKV antasten. Sollte ein solcher Versuch gemacht werden, "würden wir am Ende vor dem Verfassungsgericht landen".