Daniel Bahr: Patienten erhalten weiter die notwendige Behandlung
Donnerstag, 03. Mai 2012, 13:24 von Jutta Wellding-Trostel
Die Zahl der OPs soll begrenzt werden, doch jeder Patient wird adäquat behandelt
Vor allem Knie- und Hüftprothesen werden hierzulande immer häufiger eingesetzt. Davon sind vor allem serh viele Rentner betroffen. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes besagen, dass 83 Prozent der am Knie oder an der Hüfte operierten Patienten über 60 Jahre alt. Die Bild malt ein düsteres Bild und hält es für möglich, dass die Krankenkassen bald bestimmte Operationen für Rentner verweigern könnten. Doch dem tritt Bahr entschieden entgegen. Das sei völliger Unsinn, sagt der Minister. Es gebe zwar Pläne, um die Zahl der Operationen in deutschen Krankenhäusern zu verringern, doch das werde auf keinen Fall zu Lasten der Patienten geschehen. "In Deutschland kann sich jeder darauf verlassen, die notwendige Behandlung und Operation zu erhalten, und dafür werden wir weiter sorgen", so Bahr in Berlin.
Zusätzliche Gelder für die Kliniken
Zudem sei die Fragestellung der "Bild" ohnehin absurd, sei "vollkommener Unsinn". Die Koalition habe aktuell den Beschluss gefasst, den Kliniken mehr Geld zur Verfügung zu stellen. So soll die Versorgung der Patienten gewährleistet werden. Nach dem Beschluss werden die ungefähr 2.000 Kliniken in Deutschland 300 Millionen Euro erhalten. Diese Gelder sollen vor allem die aktuellen Tarifsteigerungen ausgleichen. Weiter hat sich die Koalition auf Mehrleistungsabschläge geeinigt. Die Kliniken müssen zukünftig mit Abschlägen bei der Bezahlung rechnen, wenn die Behandlungszahlen stark ansteigen. Der Nachrichtenagentur dpa liegen die entsprechenden "Eckpunkte zur Krankenhausfinanzierung" vor.
Krankenkassen begrüßen die Koalitionspläne
Die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) stimmen dem Minister zu. Der Trend zu immer mehr Operationen müsse gebrochen werden. Der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, sagte in einem Gespräch mit der dpa, dass man den Vorstoß des Gesundheitsministers begrüße. In jedem Jahr setzen die Ärzte 400.000 Knie- oder Hüftgelenke ein. "Gern versuchen die Kliniken drastisch gestiegene Leistungsmengen mit einer älter werdenden Bevölkerung zu erklären", so Lanz. Doch das sei vorgeschoben. Bei den ansteigenden Fällen sei nur ein Drittel auf die demografische Entwicklung zurückzuführen. Nach Angaben der Kassen wird die Hälfte der angestiegenen Kosten durch wenige Eingriffe verursacht. Das sind künstliche Gelenke an Hüfte und Knie und Operationen an der Wirbelsäule und am Herzen.
Kritik an zusätzlicher Finanzierung
Die zusätzlichen Gelder für die Kliniken finden vor den Augen der Krankenkassen jedoch keine Gnade. Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn begründete die Finanzspritze: "Ärzte und Pflegekräfte in den Krankenhäusern leisten einen tollen Job." Deshalb wolle man die Steigerungen der Tarife abfangen. Die Kassen aber machen eine Gegenrechnung auf. "2,5 Milliarden Euro bekommen die Krankenhäuser in diesem Jahr sowieso schon mehr", gibt Florian Lanz zu bedenken. Die Ausweitung der Löhne sei da schon einbegriffen.
Umdenken bei den Operationen notwendig
Die demografische Entwicklung wird das Gesundheitswesen sicherlich stark belasten. Lösungen müssen gefunden werden. Deshalb unterstützen auch Experten die Absicht des Gesundheitsministers, wenn er die Zahl der Operationen einschränken will. Der Gesundheitsökonom Thomas Drabinski von der Kieler Universität sagte der "Bild": "Kassenpatienten, gerade auch ältere, werden immer häufiger operiert, obwohl es auch andere Möglichkeiten als eine OP gäbe." Es sei besser, wenn Patienten verstärkt ambulant behandelt würden. Das würde auf lange Sicht viele Operationen unnötig machen.





