Kostensteigerung

DAK: Erste Krankenkasse kündigt Zusatzbeiträge an

Montag, 25. Jan 2010, 13:57 von
Auf viele gesetzlich Versicherte kommen im Jahr 2010 Zusatzbeiträge zu. Als erste Krankenkasse hat nun die DAK für ihre Mitglieder acht Euro zusätzlich zum regulären Monatsbeitrag angekündigt. Andere Krankenkassen wollen nachziehen. Grund ist die schlechte Finanzlage des Gesundheitsfonds.
Teure GKV: Viele Krankenkassen erheben Zusatzbeitrag.

Teure GKV: Viele Krankenkassen erheben Zusatzbeitrag.

Seit Wochen müssen sich gesetzlich Versicherte auf höhere Beiträge zur Krankenversicherung gefasst machen. Aufgrund des Milliarden-Defizits im Gesundheitsfonds kommen viele Krankenkassen nicht mit dem Geld aus und müssen den Finanzbedarf aus anderen Quellen decken. Die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) ist nun Vorreiter und kündigt einen Zusatzbeitrag in Höhe von acht Euro monatlich für ihre Mitglieder an. Auch auf Seiten der Beitriebschrankenkassen heißt es, dass viele Mitglieder von zusätzlichen Belastungen betroffen sein werden.

Erster Zusatzbeitrag bei DAK

Heute hat die DAK als erste gesetzliche Krankenkasse für ihre rund 4,6 Millionen zahlenden Mitglieder einen zusätzlichen Beitrag von acht Euro angekündigt. DAK-Chef Herbert Rebscher sagte laut dpa, dass er dem Verwaltungsrat die Erhebung von Zusatzbeiträgen in dieser Höhe empfehlen wird. Ab Februar könnten die DAK-Mitglieder dann schon von der Kostensteigerung betroffen sein. Rebscher sprach von einem Tabubruch im Bereich der gesetzlichen Krankenkassen.

Weitere Kassen sollen folgen

Nachdem die DAK nun das Eis gebrochen hat, wird erwartet, dass andere Krankenkassen bald nachziehen werden. Bereits Ende letzter Woche war bekannt geworden, dass die Deutsche BKK ebenfalls Zusatzbeiträge plant. Dort wären 750.000 Versicherte betroffen. Auch die KKH Allianz plant in der ersten Jahreshälfte die Einführung eines solchen Beitrages. Doris Pfeiffer, Vorstandschefin des GKV-Spitzenverbandes bezeichnete Zusatzbeiträge als unvermeidbar. Sie gehe davon aus, dass schon Ende 2010 die meisten gesetzlichen Krankenkassen nicht mehr auf einen Zusatzbeitrag verzichten könnten.

Andere Krankenkassen haben unterdessen Zusatzbeiträge für die nahe Zukunft ausdrücklich ausgeschlossen. Diese wollen zunächst finanzielle Rücklagen in Anspruch nehmen, um den eigenen Finanzbedarf zu decken. Dazu zählen unter anderem die Techniker Krankenkasse und die Siemens Betriebskrankenkasse. Ähnliches wurde zudem von den Allgemeinen Ortskrankenkassen bekannt.

Zusatzbeitrag: Jetzt wechseln?

Viele Versicherte sind verunsichert, wie mit der Beitragserhöhung umzugehen ist. Grundsätzlich gilt bei Beitragserhöhungen ein Sonderkündigungsrecht, auf das die Krankenkasse die Mitglieder explizit hinweisen muss. Experten raten aber von vorschnellen Entscheidungen ab. Versicherte, deren Krankenkasse einen Zusatzbeitrag ankündigt, sollten nicht vorschnell kündigen. Kurzfristige finanzielle Spareffekte könnten langfristig durch die Nachteile eines Wechsels aufgebraucht werden. Dazu zählen der Wegfall von Zusatzleistungen und oder andere Bonusprogramme, die Beitragsrückerstattungen vorsehen.

Auslöser Gesundheitsfonds

Doris Pfeiffer betonte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass die zusätzlichen Beiträge die Konsequenz aus dem Konstrukt des Gesundheitsfonds seien. Auch der einheitliche Beitragssatz trage erheblich zu dieser Entwicklung bei. Schon im nächsten Jahr könnte die Hälfte aller gesetzlich versicherten Personen von den zusätzlichen Belastungen betroffen sein. Derzeit gibt es rund 70 Millionen gesetzlich Versicherte, wovon etwa 50 Millionen zahlende Mitglieder sind. Für 2010 hat sich ein Minus von rund 7,8 Milliarden Euro angesammelt. Zum Ausgleich forderte Pfeiffer, die Ausgaben für Arzneimittel, Ärzte und Krankenhausbehandlungen zu überprüfen.