Insolvenz der Krankenkassen

BKK für Heilberufe wird zum Ende des Jahres geschlossen

Mittwoch, 02. Nov 2011, 14:03 von
Was schon lange diskutiert wurde, ist nun beschlossene Sache. Das aufsichtsführende Bundesversicherungsamt (BVA) wird die BKK für Heilberufe zum 31. Dezember 2011 schließen. Alle Versuche, die finanziell angeschlagene Betriebskrankenkasse zu retten, sind gescheitert. Sanierungs- und Fusionsversuche haben keinerlei Erfolg gehabt.
Die BKK für Heilberufe ist absolut nicht mehr leistungsfähig

Die BKK für Heilberufe ist absolut nicht mehr leistungsfähig

Mit finanziellen und wirtschaftlichen Problemen hatte die BKK für Heilberufe bereits seit längerer Zeit zu kämpfen. Als die Lage zu kritisch wurde, ging man auf die Suche nach einem Fusionspartner. Zunächst wurden Gespräche mit der BKK vor Ort geführt. Die Verhandlungen dauerten nicht lange und endeten ohne Ergebnis. Ähnlich verliefen die Sondierungen mit der AOK Rheinland/Hamburg, die ein Fusionsangebot sehr schnell wieder zurückzog. Nun wird die BKK für Heilberufe mit Ablauf des letzten Tages in diesem Jahr geschlossen. "Bedauerlicherweise haben die in den letzten Jahren ergriffenen Sanierungsmaßnahmen letztlich nicht zum Erfolg geführt, so dass wir diese schmerzhafte Entscheidung treffen mussten", erklärte BVA-Präsident Maximilian Gaßner. Bereits lange vor der Einführung des Gesundheitsfonds seien die Mitgliederzahlen permanent zurückgegangen.

Gesundheitsfonds als Ursache für die Schließung

Heinz Kaltenbach, der Geschäftsführer des BKK Bundesverbandes, beurteilt die Ursachen für die ungute Entwicklung allerdings anders. Für ihn ist der Schuldige ausgemacht: Es ist der Gesundheitsfonds. Die Gelder, die jede gesetzliche Krankenkasse aus dem Fonds erhält, sind für ihn einfach nicht ausreichend. Deshalb habe man einen Zusatzbeitrag erheben müssen. Das wiederum habe dazu geführt, dass sehr viele Mitglieder die Krankenkasse verlassen haben. Innerhalb eines recht kurzen Zeitraums ist die Zahl der Versicherten von immerhin 400.000 auf nur noch 80.000 geschrumpft.

Versicherte sollen sich gut informieren  

Diese verbliebenen Versicherten müssen sich nun eine andere Krankenkasse suchen, brauchen sich aber keine Sorgen zu machen. Ihr gesundheitlicher Schutz bleibt ohne Unterbrechungen bestehen. Jede gesetzliche Krankenkasse im entsprechenden Bundesland muss die von der Schließung Betroffenen aufnehmen. Die BKK für Heilberufe wird in Kürze ihre Mitglieder über die Schließung und den Wechsel der Krankenkasse informieren. Maximilian Gaßner rät den Versicherten, vorab Informationen zum Krankenkassenwechsel einzuholen, bevor die Frist bis zur Schließung abläuft. Auch Ärzte, Krankenhäuser und Apotheken müssen keine Nachteile befürchten. Die BKK für Heilberufe wird ihre Forderungen erfüllen. Die Verbände der Betriebskrankenkassen werden die Schließung begleiten und unterstützen.

BVA warnt die Krankenkassen

Maximilian Gaßner hat aber die Ereignisse um die Pleite der City BKK im Mai dieses Jahres nicht vergessen. Er hofft, dass die Krankenkassen aus diesen Vorgängen ihre Lehren gezogen haben. Der Wechsel der ehemaligen Versicherten der BKK für Heilberufe soll ohne Schwierigkeiten und Rückschläge vonstatten gehen. Man werde die Lage sehr genau beobachten. "Sollte es wieder Krankenkassen geben, die sich rechtswidrig verhalten und versuchen, Versicherte abzuwimmeln, wird das BVA mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln hiergegen vorgehen."

Scharfe Kritik am gesamten BKK System

Gegen die AOK wird Gaßner nicht vorgehen müssen. "Jedes Mitglied de BKK für Heilberufe, das zur AOK wechseln will, ist willkommen", so Jürgen Graalmann, Vorstandschef des AOK Bundesverbandes. Die Versicherten sollen jede Unterstützung bekommen. Den Verantwortlichen aber stellt er ein schlechtes Zeugnis aus. "Jahrelang war das BKK System mit der Suche nach jungen und gesunden Versicherten beschäftigt." Während "Yuppiekassen die Rosinen pickten", hätten die anderen Krankenkassen alle versichert. Die Schließungen der Betriebskrankenkassen käme nicht von ungefähr. Er geht mit dem gesamten System hart ins Gericht. "Es kann doch nicht sein, dass die Verursacher der Kassenschließungen aus der Verantwortung für die Folgen ihres Handelns entlassen und die Versorgerkassen für die Aufräumarbeiten zuständig sind."