Beiträge zur PKV könnten zukünftig sehr drastisch ansteigen
Mittwoch, 02. Mai 2012, 15:25 von Jutta Wellding-Trostel
Nach einer aktuellen Untersuchung könnte die PKV zukünftig hohen Geldbedarf haben
Das sind natürlich nur Einzelfälle. Glaubt man den privaten Krankenversicherern, so sind die Prämien durchschnittlich nur um vier bis sieben Prozent angehoben worden. Doch seitdem wird es nicht still um die PKV, denn immer wird neue Kritik laut. Nun berichtet der "Stern" von einer Studie des Bundesverbandes der AOK. Nach den brisanten Ergebnissen dieser Studie müssen die Mitglieder der PKV damit rechnen, dass ihre Beiträge in Zukunft noch sehr viel stärker ansteigen. In jedem Jahr müssen die Unternehmen der PKV 2.700 Euro zusätzlich von jedem ihrer knapp neun Millionen Versicherten verlangen, damit sie in den nächsten 40 Jahren ihre Finanzen stabil halten können. Das ist nach den Berechnungen der Studie nötig, um die steigenden Kosten rund um die Gesundheit abfangen zu können.
Gründe für die schlechte Prognose
Es sind vor allem drei Probleme, mit denen sich die PKV befassen muss.
- Die immer höheren Kosten für Ärzte, Medikamente und Krankenhäuser können nicht abgefangen werden.
- Die PKV-Unternehmen berücksichtigen die längere Lebensdauer der Menschen nicht und sorgen nicht für den demografischen Wandel vor. Zudem gibt es Probleme durch die Eurokrise.
- Die dauernde Phase der niedrigen Zinsen schadet der PKV. Das Kapital bringt zu wenig Ertrag. In der Folge steigen auch deshalb die Beiträge an.
Für all diese Probleme ist kein Ende abzusehen, weil auch die Eurokrise weiter andauern wird und die niedrigen Zinsen in absehbarer Zukunft nicht steigen werden.
PKV weist die Vorwürfe zurück
Der PKV-Verband aber sieht die Situation anders. Vor allem weist Dirk Lullies vom PKV-Verband mangelnde Vorsorge in Bezug auf die längere Lebenserwartung der Menschen zurück. Es sei im Gegenteil der Fall, dass die PKV sehr gut auf den demografischen Wandel vorbereitet ist. "Im Gegensatz zu den gesetzlichen Kassen trifft die PKV mit ihren kapitalgedeckten Altersrückstellungen Vorsorge dafür, die steigenden Gesundheitskosten in einer alternden Gesellschaft aufzufangen." Doch in der Politik häufen sich die Stimmen, die zumindest kritische Blicke auf die privaten Krankenversicherungen werfen. Dass SPD, Grüne und Linke keine Freunde der PKV sind, ist hinlänglich bekannt. Doch auch Jens Spahn, der Gesundheitsexperte der CDU/CSU, hat sich bereits sehr kritisch zur zukünftigen Rolle der PKV geäußert.
Kritik auch in der Koalition
Doch nun rumort es auch in der FDP, die bislang immer als Förderer der PKV angesehen wurde. Der Gesundheitspolitiker Lars Lindemann (FDP) sieht nun ebenfalls die Notwendigkeit, über Veränderungen im Grundsatz nachzudenken. Er sagte dem "Stern": "Ich bezweifle, ob die Vollversicherung in der heutigen Gestalt in der Zukunft noch so bestehen bleiben kann." Die Oppositionsparteien wird es freuen, denn sie favorisieren ohnehin eine Bürgerversicherung für alle und wollen die PKV in ihrer jetzigen Form abschaffen.
Probleme müssen gelöst werden
Auch in der Branche selbst werden Zweifel laut. Roland Weber, Vorstand des Branchenführers Debeka, sieht Handlungsbedarf. Er bemängelt zum Beispiel die Billigtarife, die nur unzureichenden Schutz bieten. Auch hohe Maklerprovisionen und die Schwierigkeiten, die Versicherte beim Wechsel in einen günstigeren Tarif zu erwarten haben, sind für ihn ein Stein des Anstoßes. "Wenn wir auf diese Schwierigkeiten keine Antwort finden, machen wir uns angreifbar und dürfen uns nicht wundern, wenn die Politiker tätig werden."





