Zahlen des Statistischen Bundesamtes

Ausgaben für das Gesundheitswesen sind so hoch wie nie zuvor

Freitag, 06. Apr 2012, 13:46 von
Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden hat neue Zahlen über die Ausgaben auf dem Gesundheitssektor bekannt gegeben. Die Deutschen haben im Jahr 2010 so viel Geld in ihre Gesundheit investiert wie nie zuvor. Im Jahr 1992 lagen die Kosten für die Gesundheit bei rund 159 Milliarden Euro – heute ist es fast das Doppelte.
Für das Gesundheitswesen muss ständig mehr und mehr Geld in die Hand genommen werden

Für das Gesundheitswesen muss ständig mehr und mehr Geld in die Hand genommen werden

Die Ausgaben für medizinische Behandlung, für Pflege und Rehabilitation sind im Jahr 2010 auf über 287 Milliarden Euro angestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr 2009 wurden in Deutschland knapp neun Milliarden oder 3,2 Prozent mehr ausgegeben. Pro Kopf flossen 3.510 Euro in das Gesundheitswesen. Die Steigerung der Kosten ist beängstigend, denn wenn die Entwicklung so weitergeht, wird die Grenze der Leistungsfähigkeit in nahe Zukunft erreicht werden. Mit einem Anteil von 58 Prozent mussten die gesetzlichen Krankenkassen den größten Anteil der Ausgaben schultern und die schwerste Last tragen. Die Kosten für die Gesundheit verschlingen 11,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Zwar konnte man im Vergleich zum Jahr 2009 einen Rückgang von 0,1 Prozentpunkten vermerken, doch das ist nach Angaben der Statistiker mit dem wirtschaftlichen Wachstum nach der Krise im Jahr 2009 zu erklären.

Pflegebereich wächst am stärksten

Das Statistische Bundesamt (Destatis) gibt weiter an, dass die Ausgaben für die soziale Pflegeversicherung prozentual gesehen mit sechs Prozent am meisten angestiegen sind. Wurden 2009 noch auf diesem Sektor 20,3 Milliarden Euro ausgegeben, so waren es 2010 bereits 21,5 Milliarden Euro. Damit betrug der Anteil der Pflegeversicherung an den Gesamtausgaben sieben Prozent. Auch die Steigerung der Aufwendungen für die ambulanten Pflegeeinrichtungen um 7,6 Prozent und die Arbeitsbereiche von Physiotherapeuten, Logopäden oder Ergotherapeuten um 5,2 Prozent konnten hohe prozentuale Zuwächse verzeichnen.

Viel Geld für Arztpraxen und Apotheken  

Mit 49 Prozent wurden die weitaus meisten Gelder für Arztpraxen und Apotheken ausgegeben. Nahezu jeder zweite Euro der gesamten Ausgaben für die Gesundheit floss in die Kassen der Ärzte und Apotheker. Der Anteil der Ärzte betrug 43,1 Milliarden Euro, die Apotheker nahmen 40,9 Milliarden Euro ein. Auch der stationäre Bereich verursacht hohe Kosten. Hierzu werden die Krankenhäuser, Reha- und Vorsorgeeinrichtungen und stationäre Pflegebereiche gerechnet. Destatis sagt klar, dass die entsprechenden Kosten um vier Prozent auf über 104 Milliarden Euro angewachsen sind. Die Kliniken verursachen Ausgaben von 74,3 Milliarden Euro. Insgesamt liegen die Kosten für stationäre Einrichtungen bei 36 Prozent aller Ausgaben im Gesundheitswesen.

Auswahl der Daten

Um die Ausgaben vergleichen zu können, gibt es bestimmte Grundsätze bei der Erhebung der Zahlen. Erfasst werden "sämtliche Güter und Leistungen mit dem Ziel der Prävention, Behandlung, Rehabilitation und Pflege, die Kosten der Verwaltung sowie Investitionen der Einrichtungen des Gesundheitswesens". Nicht erfasst sind dabei Kosten für Ausbildung und Forschung oder Folgekosten von Krankheiten. Deshalb können die so ermittelten Zahlen zum Beispiel von Statistiken der Krankenkassen abweichen.

Krankenkassen wollen abwarten und sparen  

Die steigenden Gesundheitskosten rufen den Gesundheitsminister auf den Plan. Er ist der Meinung, dass mindestens 30 Krankenkassen ihre Überschüsse an die Versicherten in Form von Prämien weitergeben könnten. Doch der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen beurteilt die Situation aus einem anderen Blickwinkel. Verbandssprecher Florian Lanz erklärt, dass der Zuschuss des Bundes für das Jahr 2013 immerhin um zwei Milliarden Euro gekürzt worden sei. Deshalb sind die Kassen vorsichtig und wollen eher sparen, sagt Lanz. "Viele zahlen jetzt lieber keine Prämien aus, damit sie länger keinen Zusatzbeitrag erheben müssen."