Medikamente: Gefährliche Nebenwirkungen

Anklage gegen Pharmafirma: Fahrlässige Tötung und Betrug

Freitag, 11. Feb 2011, 11:56 von
Das französische Pharmaunternehmen Servier soll fahrlässig den Tod von über 500 Patienten in Kauf genommen haben. Der 88-jährige Firmengründer Jacques Servier steht seit heute vor Gericht. Das Arzneimittel "Mediator" sollte Diabetikern helfen, hatte jedoch schwere Nebenwirkungen, die lange bekannt gewesen sein sollen.
Nebenwirkungen: Mediator soll Tod von 500 Menschen verursacht haben

Nebenwirkungen: Mediator soll Tod von 500 Menschen verursacht haben

Der französische Arzneimittelhersteller Servier muss sich ab heute vor Gericht verantworten. Das Unternehmen vermarktetet seit Jahren das Präparat “Mediator”, welches unter anderem Diabetes bekämpfen sollte. Aber schon jahrelang sollen die erheblichen Nebenwirkungen bekannt gewesen sein. Menschen, die das Mittel einnahmen, erkrankten schwer, oft sogar tödlich am Herzen. 175 Menschen, Hinterbliebene und Opfer haben nun gegen das Unternehmen geklagt. Dieses kündigt noch vor Prozessbeginn die Einrichtung eines Entschädigungsfonds an, wies jedoch jegliche Verantwortung von sich.

Schadensersatz 200 Millionen Euro gefordert

Über 20 Millionen Euro will Servier zur Verfügung stellen. Hier stehen jedoch die Schadensersatzforderungen von über 200 Millionen Euro gegenüber. Fraglich ob diese “Geste” genügen wird, oder ob sie positiv interpretiert wird. Der Anklage der Opfer wollen sich zudem die französischen Krankenkassen, staatlich wie privat, anschließen.

Trotz bekannter Nebenwirkungen 30 Jahre auf dem Markt

Das Arzneimittel Mediator war in Frankreich seit 1976 für mehr als 30 Jahre auf dem Markt. Über fünf Millionen Konsumenten soll es bis zum Verbot im Jahre 2009 durch die französische Arzneimittelaufsicht gegeben haben. Das Mittel selbst sollte durch seine Appetit hemmende Wirkung einerseits beim Abnehmen helfen, anderseits Diabetes bekämpfen. Nach Angaben französischer Behörden sind mehr als 500 Menschen an den Folgen der Nebenwirkungen gestorben. Eine Zulassung erhielt das Produkt in Deutschland nie. In anderen Ländern, wie Spanien und Italien wurde 2005 die Zulassung entzogen.

Firmengründer muss sich verantworten

Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung, sowie Betrug. Dem mittlerweile 88-jährigen Firmengründer Jacques Servier, der sich sich vor Gericht verantworten muss, drohen bis zu vier Jahre Haft, dem Unternehmen der Entzug der Lizenz. Das Verfahren birgt zudem auch eine politische Brisanz. Verstrickungen zwischen Politik und dem Unternehmen sollen ein früheres Verbot des Medikaments verhindert haben, so die französische Satire-Zeitung "Le Canard Enchaîné".