Ärzteschaft setzt sich nachdrücklich für den Erhalt der PKV ein
Montag, 21. Mai 2012, 12:41 von Jutta Wellding-Trostel
Ärzte wollen den Wettbewerb zwischen GKV und PKV weiter erhalten und unterstützen
Am morgigen Dienstag beginnt der 115. Ärztetag in Nürnberg. Dort soll es nicht nur um rein medizinische Themen gehen. Die Mediziner wollen erstmals ebenfalls zur gesamten Krankenversicherung Stellung nehmen. "Ich glaube, dass es keines dramatischen Systemwechsels bedarf", sagt Ärztepräsident Montgomery. Die Opposition im deutschen Bundestag sieht das jedoch völlig konträr. Grüne, SPD und Linke setzen sich ganz klar für eine Bürgerversicherung ein, in die alle Bürger von jeder Art des Einkommens einzahlen. Die PKV in ihrer heutigen Form soll abgeschafft werden. Die Ärzteschaft will hier offensichtlich ein Gegengewicht setzen. Die Bürgerversicherung sei ein vollkommen falscher Weg und führe zu empfindlichen Einschränkungen aller Leistungen im Gesundheitssystem. "Wir befürchten, dass die Bürgerversicherung zum Turbolader der Zwei-Klassen-Medizin wird." Die Menschen mit höherem Einkommen könnten sich dann hochwertige medizinische Behandlungen schlicht und einfach kaufen.
Ärzte wollen Politik beeinflussen
Das bedeutet, dass die Ärzte auch politisch Stellung beziehen und ihr Gewicht in die Waagschale werfen wollen. Natürlich haben die Mediziner auch finanzielle Interessen, denn es hätte sicherlich Nachteile, wenn es zukünftig keine Privatpatienten mehr geben würde. Doch man würde den Medizinern Unrecht tun, wenn man ihnen nur egoistische Gründe für ihren Einsatz für die PKV unterstellen würde. Der Wettbewerb zwischen den gesetzlichen Krankenkassen und der PKV führt nach Darstellung der Ärzte zu einem größeren Spielraum für beide Systeme, für medizinische Innovationen, die allen Patienten zugute kommen.
Marburger Bund will Schutz für die PKV
Am vergangenen Wochenende hat sich auch die Ärztegewerkschaft Marburger Bund für den Erhalt der PKV ausgesprochen. Referent bei der Hauptversammlung am vergangenen Wochenende war Dr. Rainer Hess, der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses. Er legte seine Sicht der Dinge dar, warum die PKV aktuell gefährdet ist. Aktuell ist es den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) wieder gestattet, besondere Leistungen anzubieten. Damit bedrohen sie angestammte Geschäftsfelder der PKV. So nehmen inzwischen einige Krankenkassen die Behandlung beim Heilpraktiker oder nicht rezeptpflichtige Medikamente in ihre Satzungsleistungen auf. Damit treten sie in Konkurrenz zur PKV. Auch Wahltarife gehören zu diesen Sonderleistungen.
Wahlkampf mit der Gesundheit
"Wenn wir die private Krankenversicherung erhalten wollen, müssen wir deren Geschäfte schützen und dürfen nicht der GKV, die unter einem besonderen gesetzlichen Schutz steht, Satzungsleistungen erlauben", so Hess. Ärztepräsident Montgomery ist der Meinung, das es beim Wahlkampf zur Bundestagswahl im nächsten Jahr kontrovers zugehen werde, was das Gesundheitswesen in Deutschland angehe. "Wir gehen davon aus, dass die Systemfrage eine Rolle im Wahlkampf spielen wird." Deshalb will die Ärzteschaft bereits im Vorfeld ihre Position klar und eindeutig bestimmen.
Ärztepräsident gegen Praxisgebühr
Auch die Meinung der Mediziner zu den hohen Rücklagen der GKV scheint eindeutig. "Die nächste Krise kommt bestimmt", so Montgomery. Deshalb sei es besser, wenn das Geld in der GKV bleiben würde. Doch die Politik habe durchaus die Möglichkeit, Wahlgeschenke zu machen: Man könne die Praxisgebühr abschaffen. "Sie hat keinerlei Steuerungswirkung, sie verursacht nur enorme Bürokratie in den Arztpraxen und sie belastet die Patienten."





