Ärztepräsident: Ohne Reformen ist der Bestand der PKV gefährdet
Freitag, 11. Mai 2012, 12:50 von Jutta Wellding-Trostel
Ohne Reformen und grundlegende Änderungen hat die PKV schlechte Chancen
Eine Bürgerversicherung, die eine Abschaffung der PKV zum Ziel hat, hält er für verfehlt und nicht realisierbar. Es sei ein "enteignungsgleicher Eingriff", wenn die Beiträge zur Krankenversicherung von allen Arten und Formen der Einkommen berechnet würden. Der Wettbewerb zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung ist nach Meinung Montgomerys notwendig, um einen umfangreichen Leistungskatalog weiter zu erhalten. Letztlich würden alle Patienten davon profitieren. "Ich warne vor der Änderung dieses dualen Systems", sagt Montgomery. Trotz der aktuell heftigen Turbulenzen innerhalb der PKV ist das Modell als solches in den Augen des Präsidenten der Bundesärztekammer auf jeden Fall zukunftsfähig. Natürlich gebe es Unternehmen, die in Schwierigkeiten stecken, "aber das liegt nicht am System, sondern am falschen Wirtschaften einzelner Versicherer".
PKV muss sich von Krankenkassen unterschieden
Man müsse in der PKV erkennen, dass es eine Bereinigung des Marktes geben müsse. Nicht gesunde Unternehmen sollten verschwinden, denn auch das gehöre zum Wettbewerb. Montgomery macht der PKV zum Vorwurf, dass sie bei Bedarf nach dem Staat ruft, zum Beispiel wenn es um die Kosten geht. Dann will man von Arzneimittelrabatten, von der Gesundheitskarte oder einer gesetzlichen Begrenzung der Maklerprovisionen profitieren. Es sei zum Beispiel absurd, "dass sich die PKV nur mit einem Gesetz vor ihren eigenen Maklern schützen kann". Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery warnt eindringlöich vor einer Angleichung der PKV an die gesetzlichen Krankenkassen.
Reformen in der PKV sind notwendig
Die Ärzte brauchen eine starke PKV, weil es ohne die privaten Versicherer viele neue Therapien und Verfahren zur Diagnostik nicht geben würde. Die PKV genehmigt Innovationen recht schnell "und setzt die Krankenkassen damit in der Regel unter Zugzwang". So können alle Patienten an neuen medizinischen Verfahren teilhaben. Doch Frank Ulrich Montgomery übt auch Kritik am Vorgehen der PKV. So hält er es für äußerst problematisch, dass sich schwer kranke Menschen kaum privat krankenversichern können, denn sie müssen hohe Risikozuschläge zahlen. Auch schwangeren Frauen wurd die Aufnahme verwehrt. "Es spricht auch nicht für das Geschäftsmodell der PKV, wenn sie eine Frau während ihrer Schwangerschaft als Kundin ablehnt und sagt: Wenn das Kind gesund geboren ist, dürft ihr beide bei uns Mitglied werden."
Keine Öffnungsklauseln in der Gebührenordnung
Aktuell wird über eine neue Gebührenordnung für Ärzte verhandelt. Für Montgomery ein vielschichtiges Thema, das noch lange Verhandlungen brauch wird. Auf die Frage von "Welt Online", ob es Öffnungsklauseln geben sollte, damit die Versicherungen Kosten sparen und direkt mit den Leistungserbringern über Preise verhandeln können, sagte der Ärztepräsident: "In der neuen Gebührenordnung für Zahnärzte gibt es eine solche Öffnungsklausel nicht. Und wir brauchen definitiv auch keine."
Mehr soziale Verantwortung in der PKV
Reformen müssen an anderer Stelle ansetzen, sagt Montgomery. Auch in der PKV sollte es eine Pflicht zur Versicherung von Kunden geben. Die privaten Krankenversicherer müssten so schnell wie möglich in eine Diskussion über ihre soziale Verantwortung eintreten. Seiner Ansicht nach ist die Branche stark genug, sich selbst zu erneuern. Der PKV-Verband könnte dabei sicherlich Hilfestellung geben. "Die Luft für die PKV wird dünner. Die Branche muss etwas tun, sonst ist ihr Geschäftsmodell in Frage gestellt."





