Gefahr durch Emissionen

WHO ordnet Diesel-Abgase definitiv als krebserregend ein

Mittwoch, 13. Jun 2012, 14:03 von
Die Zahl der Diesel-Fahrzeuge hat in Deutschland stark zugenommen. Nach Angaben des ADAC fahren auf den Straßen der Bundesrepublik rund 43 Millionen PKWs. Davon verbrennen rund 12 Millionen Dieselkraftstoff, rund 31 Millionen fahren mit Benzin. Die Nachfrage nach den "Dieseln" steigt weiter an.
Die Abgase von Dieselfahrzeugen können auch für Fußgänger sehr gefährlich sein.

Die Abgase von Dieselfahrzeugen können auch für Fußgänger sehr gefährlich sein.

Doch die Abgase aus den mit Diesel betriebenen Fahrzeugen sind nicht ohne Gefahren. Man weiß seit Jahren, dass die Rußpartikel aus der Verbrennung des Kraftstoffes die Gesundheit der Menschen schädigen können. Bisher hieß es in allen wissenschaftlichen Untersuchungen und Veröffentlichungen, dass man ein Risiko für Krebserkrankungen durch die Abgase nicht ausschließen könne. Seit 1988 wurden die Diesel-Abgase als potentiell krebserregend eingestuft. Nun hat die Weltgesundheitsorganisation WHO nach neuen Erkenntnissen die Warnung vor den Rückständen der Dieselverbrennung dringlicher gemacht und verschärft. Nach der Einschätzung von Experten sind die Abgase nun definitiv "für Menschen krebserregend". Mit dieser Beurteilung werden sie in die erste Gruppe der Gefahrenstoffe eingeordnet. Die Dieselabgase haben damit die gleiche Gefährlichkeit wie etwa Asbest, Senfgas oder Arsen.

Dieselabgase sind ein Faktor von Krebserkrankungen  

Nach ausführlichen Beratungen von Wissenschaftlern, die sich mit den aktuellen Forschungsergebnissen auseinandergesetzt haben, hat sich die WHO zur Änderung ihrer bisherigen  Einschätzung entschlossen. Die Experten haben Nachweise dafür gefunden, dass die Dieselabgase eine Ursache für Lungenkrebs sind. Auch konnten sie Verbindungen zwischen den Abgasen und dem Entstehen von Blasenkrebs finden. Für die Entstehung von Krebs sind in den meisten Fällen mehrere Faktoren verantwortlich. Kurt Straif, der Leiter des Krebsforschungszentrums der WHO, bezeichnet daher das Risiko einer direkten Erkrankung durch den Diesel als eher gering. Doch die Gefahr durch die Abgase könne man mit den Risiken durch das Passivrauchen vergleichen.

Studie weist Gefahren des Diesels nach

Eine der wichtigsten Studien wurde von der International Agency for Research on Cancer (IARC) durchgeführt. Ein Team um Dr. Christopher Portier hat Menschen in besonders exponierten Berufen untersucht. So wurden Arbeiter in Minen, Personal der Eisenbahn oder Lastkraftwagenfahrer in die Studien einbezogen. Menschen, die in solch gefährdeten Bereich arbeiten, haben danach ein bis zu 40 Prozent höheres Risiko einer Erkrankung an Lungenkrebs. Dr. Portier hat keinen Zweifel an den Ergebnissen. "Berücksichtigt man die zusätzlichen Auswirkungen der Dieselpartikel auf die Gesundheit, sollte der Kontakt mit diesen Chemikalien weltweit reduziert werden." Je intensiver und häufiger dieser Kontakt stattfindet, um so höher ist das Risiko einer Krebserkrankung einzuschätzen. 

Zahlreiche Dieselfahrzeuge verursachen hohe Belastung  

Doch nicht nur besondere Berufsgruppen sind gefährdet. Fußgänger und Autofahrer sind ebenso betroffen. In Europa erfreuen sich Dieselfahrzeuge großer Beliebtheit. Es sind bei weitem nicht nur Lastkraftwagen, die mit Dieselkraftstoff betrieben werden, sondern auch sehr viele Personenkraftwagen. Im Jahr 2011 betrug der Anteil der Dieselfahrzeuge nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes bei den Neuzulassungen mehr als 47 Prozent. Trotz viele Anstrengungen zur Reduzierung der Emissionen ist es der starken Zunahme der Dieselfahrzeuge zu verdanken, dass die Belastung durch die Abgase zunimmt.

Verbesserungen werden Zeit brauchen  

Die WHO mahnt nun Veränderungen an. Die Industrie sei gefordert, damit die Abgase deutlich verringert werden können. Dabei könnte bei den Treibstoffen der Anteil des Schwefels zurückgefahren werden, die Motoren müssten die Kraftstoffe besser und effektiver verbrennen. Doch schnelle Verbesserungen erwartet die WHO nicht. Nach Einschätzung der Gesundheitsorganisation werden Jahre vergehen, bis bessere Treibstoffe und Fahrzeuge eingesetzt werden können. Die Abgase von Benzin ordnet die WHO dagegen ein wie bisher: Es wird weiter als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft.