Verbraucherschützer: EM-Trikots sind mit Schwermetallen belastet
Mittwoch, 06. Jun 2012, 13:25 von Antonia Hermann
Bei genauen Tests und Untersuchungen wurden Schadstoffe in Fußballtrikots entdeckt
Die Hersteller wittern natürlich gute Geschäfte und werben für ihre Produkte. Die Fans wollen an den Spielen teilhaben und fühlen sich in den Trikots den Spielern ihrer Mannschaft nah. Doch da gibt es nun schlechte Nachrichten aus Brüssel. Dort hat der Europäische Verbraucherverband BEUC seinen Sitz. Seit 1962 arbeitet die Organisation für die Interessen der europäischen Verbraucher. Der Verband warnt nun vor einer gefährlichen Belastung der EM-Trikots durch Schwermetalle. In einigen der offiziellen Fußball-Trikots der Europameisterschaft wurden etliche gesundheitsschädliche Stoffe gefunden. Die Tester konnten giftige Verbindungen und eben Schwermetalle in deutschen und spanischen Trikots feststellen. Nach Angaben von BEUC lagen die Werte dieser Schadstoffe sogar über den Werten, die für Produkte für Kinder vorgegeben sind. Die Trikots der portugiesischen Elf und der Niederländer waren zum Beispiel mit Nickel belastet.
Nickel löst Allergien aus
Nickel ist ein chemisches Element, das gefährlich sein kann. Der Stoff ist als der häufigste Auslöser für Kontaktallergien bekannt. Schätzungen zufolge sind in Deutschland bis zu 4,5 Millionen Menschen gegen Nickel allergisch. Aus diesem Grund wird Nickel immer seltener in Produkten verwendet, die direkt mit der Haut in Berührung kommen. Das Einatmen von Nickelverbindungen steht im Verdacht, das Risiko für Lungenkrebs und Krebsformen der oberen Atemwege zu erhöhen. Allgemein verstärkt Nickel, ob in der Luft oder in Produkten, die Anfälligkeit für Allergien bei Kindern.
Verbraucher haben ein Recht auf saubere Produkte
In vielen Läden sind zum Beispiel die Trikots der polnischen Mannschaft nicht mehr zu finden. In den Stoffen wurde zu viel Organotin gefunden. Das ist eine giftige Substanz, die das gesamte Nervensystem beeinträchtigen kann. Die Shirts von Spanien und Italien waren mit Nonylphenol in hoher Konzentration belastet. Diese chemische Verbindung ist bereits seit 2003 nicht mehr für die Verwendung in der Industrie zugelassen. Die Substanz kann zu Störungen des Hormonhaushaltes führen. "Fußballfans zahlen bis zu 90 Euro für ein Trikot ihrer Lieblingsmannschaft. Deshalb können sie gute und sichere Qualität erwarten", macht BEUC-Generaldirektorin Monique Goyens klar. Es sei vollkommen inakzeptabel, wenn diese Produkte dann derartig stark mit Schwermetallen belastet seien.
Hersteller weist Anschuldigungen zurück
Die Hersteller wollen die Vorwürfe nicht akzeptieren. Adidas, der deutsche Produzent von Sportartikeln, wehrt sich gegen die Vorwürfe. Der renommierte Hesteller liefert zum Beispiel die deutschen und spanischen Ausrüstungen. "Die Einhaltung von anerkannten Standards für produktorientierten Gesundheits- und Umweltschutz sind Kernanforderungen, die adidas an seine Materiallieferanten stellt", sagt adidas-Sprecher Oliver Brüggen. Man überwache die Herstellung der Produkte, damit alle rechtlichen Vorgaben erfüllt werden können.
Lückenlose Überprüfung der Materialien
Außerdem werden bei adidas nur genau qualitativ bestimmte Materialien eingesetzt, die den Empfehlungen und Angaben von anerkannten Instituten folgen. Diese Institute arbeiten auf den Gebieten des Umwelt- und Verbraucherschutzes. "Die in der Produktion verwendeten Materialien werden vor ihrer Konfektionierung von unabhängigen Testinstituten nach unseren Vorgaben geprüft", so Brüggen. Außerdem würden zusätzlich Stichproben durchgeführt, bei denen die Produkte genau untersucht würden. In der Stellungnahme von adidas wird weiter die spanische Verbraucherschutzorganisation OCU angeführt, die bereits die Trikots der EM-Teilnehmer getestet habe.





