Erste Pille gegen HIV

USA: Neues Medikament gegen Aids kurz vor der Zulassung

Dienstag, 15. Mai 2012, 13:35 von
Aids gehört zu den gefährlichsten Krankheiten unseres Planeten und ist leider nach wie vor auf dem Vormarsch. Trotz jahrzehntelanger Forschung konnte bisher aber kein Heilmittelgefunden werden. Ein Medikament aus den USA ist jetzt allerdings kurz vor der Zulassung als offizielles Präventivpräparat.
Beim Geschlechtsverkehr ist die Ansteckungsgefahr mit Aids besonders hoch

Beim Geschlechtsverkehr ist die Ansteckungsgefahr mit Aids besonders hoch

Für die Wissenschaft ist Aids nach wie vor eine gewaltige Herausforderung. Obwohl sich die Behandlungsmethoden und Therapiemöglichkeiten in den vergangenen Jahren deutlich verbessert haben, gibt es bislang kein Mittel zur vollständigen Heilung. In den USA steht nun ein Medikament kurz vor der Zulassung als Präventivpräparat. Nach einer knapp elfstündigen Tagung der amerikanischen Arznei- und Lebensmittelaufsicht FDA stimmte die Mehrheit der 22 unabhängigen Experten für den Einsatz und die Vermarktung des Medikaments. Es handelt sich dabei um die Pille “Truvada”, die von dem Phramaunternehmen Gilead Sciences produziert und bereits erfolgreich in der HIV-Behandlung eingesetzt wird. Eine endgültige Entscheidung wird bis zum 15. Juni erwartet.

Studie belegt geringeres Risiko einer Infektion

Die Überlegungen für das Präventivmedikament beruhen unter anderem auf einer klinischen Studie, die 2010 in der Fachzeitschrift “New England Journal of Medicine” veröffentlicht wurde. Knapp 2.500 homosexuelle Männer wurden dabei in zwei Gruppen aufgeteilt, die jeweils ein Placebopräparat oder eine Pille Truvada am Tag zu sich nahmen. Es stellte sich heraus, dass das Ansteckungsrisiko der Probanden mit dem tatsächlichen Medikament um bis zu 73 Prozent geringer war als bei der Vergleichsgruppe. Eine weitere Studie mit heterosexuellen Partnern, von denen jeweils einer an HIV erkrankt war, wies sogar eine bis zu 75 Prozent geringere Ansteckungsgefahr auf.

Gefahr einer Ansteckung sollte nicht unterschätzt werden

Die Befürworter des Medikaments sehen die neue Pille als einen wichtigen Schritt im Kampf gegen Aids. Mitchell Warren, Chef der Anti-Aids-Gruppe AVAC, sieht das Medikament zwar nicht als “Wundermittel” zur Vorbeugung des Virus an. Er betont jedoch, dass es für Millionen Frauen und Männer eine neue Möglichkeit im Schutz gegen HIV bietet. Mediziner und Gesundheitsexperten reagieren allerdings skeptisch auf die neue Anti-Aids-Pille. Sie warnen davor, dass die Menschen bei Einnahme der Pille das HIV-Infektionsrisiko unterschätzen könnten. Jedem sollte bewusst sein, dass trotz einer geringeren Ansteckungsgefahr immer noch eine hohes Ansteckungsrisiko besteht.

Ungeklärt: Nebenwirkungen und Resistenz gegen den Wirkstoff

Ein weiteres Problem sehen die Kritiker in den unzureichenden Untersuchungen über die Auswirkungen auf den menschlichen Körper. Demnach gibt es seitens von Ärzten und Pflegern die Befürchtung, dass Truvada schwere Durchfälle oder sogar Organversagen verursachen könnte. Die größten Sorgen bereitet allerdings ein anderer Gedanke: Die Aids-Erreger könnten mutieren und somit eine Truvada-Resistenz ausbilden. Das würde bedeuten, dass es weder als Präventivpräparat noch in der Behandlung von zukünftigen Erkrankten genutzt werden könnte.