Kampf gegen psychsiche Erkrankungen

Union will Strategie zur Prävention gegen Stress und Burnout

Mittwoch, 04. Apr 2012, 13:53 von
Seit dem vergangenen Jahr ist das Thema "Burnout" in aller Munde. Die moderne Arbeitswelt mit der Forderung nach ständiger Erreichbarkeit und einem immer stärker anwachsenden Leistungsdruck sind ein wichtiger Grund dafür, dass immer mehr Arbeitnehmer wegen psychischer Krankheiten nicht mehr arbeiten können.
Stress und Hektik in der Arbeitswelt führen immer öfter zu psychischen Erkrankungen

Stress und Hektik in der Arbeitswelt führen immer öfter zu psychischen Erkrankungen

In jedem Jahr stellen Ärzte bei rund fünf Millionen Patienten schwere seelische Störungen fest – Tendenz steigend. Für die Behandlung muss die Gemeinschaft der Versicherten 29 Milliarden Euro jährlich aufbringen. Offensichtlich ist nun auch für die Politik eine Schmerzgrenze erreicht, denn die CDU/CSU will diese Probleme in den Mittelpunkt stellen. Willi Zylajew, Gesundheitsexperte der CDU, fasst das Problem zusammen: "Konkurrenz und Leistungsdruck geben den Takt vor." Noch in diesem Jahr will die Regierung ihre Pläne vorlegen, wie dieser Takt zu einem ruhigeren Rhythmus werden kann. Bereits im Jahr 2002 hatte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) gefordert, dass die Vorbeugung gegen Krankheiten zu einem tragenden Element des Gesundheitswesens werden müsse. Man brauche deshalb dringend ein Präventionsgesetz. Bisher konnte aber diese Forderung nicht realisiert werden.

Prävention soll in den Mittelpunkt gerückt werden

Nun soll aber wohl reale Bewegung in die eher verbalen Anstrengungen kommen. So fordert die Union das Forschungsministerium auf, die psychischen Erkrankungen besser zu untersuchen. Das Arbeitsministerium soll über effektive Maßnahmen zum Schutz der Arbeitnehmer nachdenken, zum Beispiel über eine geeignete Regelung von Arbeitspausen. Das Gesundheitsministerium soll die Prävention ins Visier nehmen und Möglichkeiten suchen, die Vorbeugung psychischer Krankheiten im Sozialgesetzbuch zu verankern. Peter Weiß, Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe der CDU, macht klar: "Wir wollen, dass alle Akteure das zu einem Schwerpunkt machen."

Gefährliche Zunahme psychischer Erkrankungen  

Der Gesundheitsbericht der DAK Gesundheit zeigt immer wieder, dass die Zahl der psychischen Erkrankungen zunimmt. Im vergangenen Jahr weist der Bericht den Anstieg der psychischen Erkrankungen von 12,1 auf 13,4 Prozent des gesamten Krankenstandes nach. Damit, so die DAK Gesundheit, sei der Anteil dieser Erkrankungen in den letzten 15 Jahren auf mehr als das Doppelte angewachsen. Der Grund für diese Ausfälle liegt nach allen Untersuchungen bei einem durch und durch hektischen Büroalltag, in vielen Überstunden und der ständigen Sorge um die berufliche Existenz. Deshalb fordern Willi Zylajew und Peter Weiß eine nationale Konferenz "Prävention psychischer Erkrankungen im Betrieb".

Einfache Lösungen sind nicht angemessen   

Auch Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat die Notwendigkeit des Handelns erkannt. Er will vor allem dem Phänomen Burnout entgegen treten. Sein Sprecher Christian Albrecht kündigte an, dass in diesem Jahr eine Präventionsstrategie verhandelt wird. "Wir werden an mehreren Stellen gesetzlich tätig werden." Über genaue Details oder Vorgaben will aber noch niemand reden. DAK-Chef Herbert Rebscher warnt vor übereiltem Aktionismus. Der Begriff Burnout sei ein Sammelbegriff, der von leichten Störungen bis hin zu schweren Depressionen alles umfasse. Die Debatte müsse differenziert geführt werden. Wichtiger Ansatzpunkt sei die Arbeitswelt, die für die Probleme sensibilisiert werden müsse.

Kassen verlangen breite Verantwortung

Sicherlich werden auch die Krankenkassen in die Diskussion einbezogen werden. Grundsätzlich befürworten die Kassen eine Debatte zum Thema Prävention. Man würde heute bereits 4,33 Euro pro Kopf und Jahr für die Vorbeugung ausgeben, also mehr als die vorgeschriebenen 2,86 Euro, sagt Ann Marini, Sprecherin des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen. Aber auch die Länder und Kommunen sollten sich des Themas in verstärktem Maß annehmen und mehr Geld zur Verfügung stellen. "Wir sind immer gesprächsbereit, aber es darf nicht darauf hinauslaufen, dass alles auf die gesetzliche Krankenversicherung zuläuft."