Neues Gesetz zum Patientenschutz

Union will Schönheitsoperationen für Jugendliche verbieten

Samstag, 14. Apr 2012, 12:29 von
Die Regierungskoalition in Berlin bereitet ein neues Gesetz vor, mit dem die Rechte der Patienten gestärkt werden sollen. Unionspolitiker haben nun ein Papier vorgelegt, nach dessen Inhalt ein klares Verbot von Schönheitsoperationen für Minderjährige in das geplante Gesetz aufgenommen werden soll.
Schönheitsoperationen für Jugendliche sind den Unionspolitikern ein großer Dorn im Auge

Schönheitsoperationen für Jugendliche sind den Unionspolitikern ein großer Dorn im Auge

Für die Politiker der CDU/CSU ist ein Schutz der Jugendlichen unbedingt nötig. Deshalb sollen Schönheitsoperationen für Jugendliche untersagt werden, wenn es für einen solchen Eingriff keine medizinische Notwendigkeit gibt. "Selbst bei einer ordnungsgemäßen Aufklärung ist nicht sichergestellt, dass sich der Jugendliche der Reichweite seines Entschlusses bewusst ist", so die Aussage in dem Positionspapier. Auch sei die Gefahr durchaus real, dass ein junger Mensch die Folgen einer solchen Operation wenn überhaupt nur mit Schwierigkeiten verkraften könne. In einem Gespräch mit der „Berliner Morgenpost“ machte Jens Spahn, der Gesundheitsexperte der CDU, seinen Standpunkt klar. Der Staat biete jungen Menschen Schutz gegen Alkohol und Zigaretten. "Aus unserer Sicht ist es überfällig, dass wir das bei unnötigen und oft ja nicht ungefährlichen Schönheitsoperationen genauso machen."

Jugendliche müssen geschützt werden  

Der grassierende Schönheitswahn könne für Jugendliche ein gefährlicher Anreiz sein, unüberlegt entsprechende Operationen durchführen zu lassen, so Spahn. Die Union beruft sich auf Statistiken der Vereinigung Deutscher Plastischer Chirurgen. Danach werden rund zehn Prozent aller schönheitschirurgischen Operationen an Patienten durchgeführt, die jünger als 20 Jahre sind. Doch Gegenwind kommt von der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC). Eine Sprecherin sagte, die Zahlen seien "uralt". Aktuelle Daten zeigten, dass nur rund ein Prozent der Eingriffe an Patienten unter 18 Jahren durchgeführt werde. Dabei stehe das Anlegen von abstehenden Ohren im Vordergrund, dann folgten Brust- und Nasenkorrekturen.

Umsetzung der Forderungen ist fraglich  

Außerdem sei die gesamte Diskussion überflüssig. Bei Minderjährigen darf ohne Zustimmung der Eltern keine Schönheits-OP durchgeführt werden. Man sehe die Gefahr, dass bei einem strikten und generellen Verbot auch "Eingriffe , die eine psychologische Komponente haben, durch das Raster fallen", erklärte die Sprecherin. Das Gesundheitsministerium hat zu dem Positionspapier der CDU/CSU noch nicht dezidiert Stellung bezogen. Ein von der Union verlangtes Verbot von Schönheitsoperationen können sowohl das Grundgesetz als auch das Berufsrecht der Ärzte tangieren. Wenn solche Operationen für Menschen unter 18 grundsätzlich verboten werden sollen, so müssen dafür auch konkrete juristische Wege aufgezeigt werden. Die Abgrenzung von notwendigen und überflüssigen Eingriffen aber ist für Jens Spahn kein Problem: Was die Krankenkassen bezahlen, ist medizinische notwendig – alles andere nicht.

Begriff soll geklärt und definiert werden

Es soll nach dem Willen der Unionspolitiker noch weitere Neuerungen gebe. Der Begriff der "Schönheitschirurgie" soll geschützt werden. Wenn das in die Realität umgesetzt wird, so müssten Ärzte ihre Qualifikation für Schönheitsoperationen nachweisen. Auch wären sie zu entsprechender Weiterbildung verpflichtet. So sollen die Verbraucher vor unqualifizierten Behandlungen und Fehlern bewahrt werden.

Fonds gegen Folgen von Kunstfehlern

Wenn es dann doch zu einem ärztliche Kunstfehler kommen sollte, ob nun bei einer Schönheitsoperation oder anderen Eingriffen, so will sich die Union für einen Fonds zur Entschädigung einsetzen. Der Fonds soll auf freiwilliger Grundlage eingerichtet werden, Träger könnte die Haftpflichtversicherer oder auch die Ärzte sein. Bei ärztlichen Fehlern könnten so finanzielle Probleme durch juristischen Auseinandersetzungen oder die Kosten für Gutachter abgefedert werden.