Stress am Arbeitsplatz

Selbstgespräche können Druck und Strapazen im Alltag vermeiden

Dienstag, 24. Apr 2012, 13:53 von
Am vergangenen Sonntag ging die FIBO in Essen zu Ende, eine Fachmesse für Fitness, Wellness und Gesundheit. Die FIBO ist mit mehr als 65.000 Besuchern die größte Messe dieser Art, auf der ein Fachkongress zum Thema betriebliches Gesundheitsmanagement stattfand. Dabei ging es auch um Stress am Arbeitsplatz.
Stress am Arbeitplatz kann krank machen und bringt für alle Beteiligten nur Schwierigkeiten

Stress am Arbeitplatz kann krank machen und bringt für alle Beteiligten nur Schwierigkeiten

Professor Hans-Dieter Hermann arbeitet an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken. Er hält Selbstgespräche für eine sehr wirksame Methode, um Stress und Probleme am Arbeitsplatz abzubauen. "Das ist eine sehr unterschätzte Methode", sagt Professor Hermann. Das ist nicht erstaunlich, denn die anderen Kollegen am Arbeitsplatz werden wohl staunen und den Mitarbeiter für ziemlich skurril halten. Doch Professor Hermann schwört auf diese Technik. Ob diese Selbstgespräche laut, leise oder lediglich in Gedanken geführt werden, ist eher nebensächlich. Sätze wie "Das schaffe ich schon" oder "Langsam, ich gehe Schritt für Schritt vor" helfen dabei, den Druck bei der Arbeit abzubauen oder sogar von vornherein zu vermeiden. Es komme darauf an, solche Denkvorgänge zuzulassen und sie auch zu artikulieren. Selbstgespräche können Mut machen, das Selbstbewusstsein stärken und auf diese Weise helfen, Druck und Stress am Arbeitsplatz auszuhalten und zu mildern.

Selbstgespräche zur Stressbewältigung   

Wer sich über einen Kollegen geärgert hat, kann mit einer gemurmelten Äußerung wie "Der kocht auch nur mit Wasser" seinem Ärger Luft machen. Ein solcher Satz beugt Aggressionen vor, dient als Ventil und hilft bei der Bewältigung des Ärgers. Mit solchen und ähnlichen Selbstgesprächen können sich die Betroffenen beruhigen und Wut, Ärger und Frust in positives Handeln umwandeln. Stress kann nach den Erkenntnissen von Professor Hermann, der auch als Sportpsychologe für die Fußball-Nationalmannschaft tätig ist, zu einer ganzen Reihe von Krankheiten beitragen.

Zusammenhang zwischen Stress und Krankheiten

Kopf- und Rückenschmerzen oder Verspannungen der Muskeln als Folge von ständiger Belastung sind allgemein bekannt. Doch auch Depressionen, Krankheiten des Herzens, Kreislaufbeschwerden und Diabetes werden durch Stress begünstigt oder auch ausgelöst. Infektionskrankheiten können vermehrt bei Belastung auftreten. Experten gehen davon aus, dass der Stress die Tätigkeit des Immunsystems negativ beeinflusst und dass auf diese Weise Bakterien, Keime und Viren leichtes Spiel haben. Professor Hermann sagt ganz deutlich, dass der Stress gleich nach den Rückenleiden die zweithäufigste Ursache für eine Arbeitsunfähigkeit ist. Viele Unternehmen haben die wachsende Problematik bereits erkannt und versuchen, dem Stress einen Riegel vorzuschieben.

Unternehmen profitieren von entschärfter Belastung

Es lohne sich für die Unternehmen, in diesen Bereich zu investieren. Motivation und  Zufriedenheit der Mitarbeiter beugen Fehlern vor. "Insofern sind die Kosten dafür schnell wieder hereingeholt", so Hermann. Dass weniger Stress die Mitarbeiter günstig beeinflusst und zu einem gesunden Betriebsklima beiträgt, weiß sicher jeder aus eigener Erfahrung. Die Firmen haben zum Beispiel die Möglichkeit, Kosten für Fitness- und Sportkurse oder Maßnahmen zur Prävention zu übernehmen.

Entspannungstechniken können helfen

Auch die Mitarbeiter können dazu beitragen, dass Stress erst gar nicht entsteht. Neben den propagierten Selbstgesprächen kann nach Ansicht des Professors langes Ausatmen mit locker geschlossenem Mund eine beruhigende und ausgleichende Wirkung haben. Auch ist zum Beispiel das Autogene Training eine gute Möglichkeit zur Stressbewältigung. Bei einiger Übung reichen oft nur einige Minuten, um sich zu stärken und sich den Anforderungen gewachsen zu fühlen. Auch "Tai Chi" oder "Qigong" sind Bewegungsmethoden, die Druck abbauen können oder mit denen Stress am Arbeitsplatz vermieden werden kann.