Durchbruch in der Demenz-Forschung

Neuer Test erkennt Alzheimer Jahre vor dem Ausbruch

Mittwoch, 15. Jun 2011, 09:54 von
Mittels eines radioaktiven Markers und eines Positronen-Emissions-Tomografen ist es Wissenschaftlern gelungen, das Alzheimer auslösende Eiweiß Beta-Amyloid nachzuweisen – und zwar Jahre vor Ausbruch der Demenz. Durch die rechtzeitige Diagnose könnten Patienten viel Zeit gewinnen, in der sie länger den Alltag bewältigen können.
Wissenschaftler haben einen neuen Frühtest entwickelt

Wissenschaftler haben einen neuen Frühtest entwickelt

Das könnte der Durchbruch in der Früherkennung von Alzheimer sein: Leipziger Wissenschaftler haben in einer internationalen Studie ein Mittel getestet, das eine Diagnose der Demenzkrankheit Jahre vor ihrem Ausbruch ermöglicht. Bei dem Versuch wurde den Probanden die schwach radioaktive Marker-Substanz Florbetaben in den Arm gespritzt. Nach Angaben der Universität Leipzig habe sich diese Substanz dann im Gehirn angereichert und den Nachweis des Eiweißes Beta-Amyloid mittels eines Positronen-Emissions-Tomografen (PET) ermöglicht. Beta-Amyloid gilt als Auslöser von Alzheimer. „Die Erkenntnisse der Studie bedeuten eine gravierende Verbesserung bei der Alzheimer-Diagnostik“, sagte der Direktor der Klinik sowie Poliklinik für Nuklearmedizin und Leiter der klinischen Studie, Osama Sabri.

Zehn bis 15 Jahre können gewonnen werden

Bisher wurde Alzheimer mit klinischen Tests diagnostiziert, die allerdings in 20 bis 30 Prozent der Fälle eine falsche Krankheitsbestimmung lieferten. Mit dem neuen Verfahren lässt sich das Protein Beta-Amyloid, das sich bereits über Jahre in bestimmten Hirnregionen ablagert, bereits zehn bis 15 Jahre vor Ausbruch der neurodegenerativen Erkrankung nachweisen. Das Eiweiß, so die Annahme der Mediziner, ist giftig für die Nervenzellen im Gehirn und führt dazu, dass diese absterben. „Das wäre eine wirkliche Revolution“, sagte Wissenschaftskollege Henryk Barthel.

Keine Medikamente für das Frühstadium vorhanden

Durch das rechtzeitige Erkennen von Morbus Alzheimer wäre laut Barthel eine frühe Behandlung von betroffenen Patienten möglich. Unter Forschern ist es allerdings umstritten, ob das den Erkrankten auch tatsächlich nutzt. Bisher gibt es nämlich so gut wie keine Medikamente für die Therapie im Frühstadium. Arzneien können das Fortschreiten der Krankheit bislang nur verlangsamen und Zeit gewinnen, in denen die Patienten länger alltagstauglich bleiben. Nach neuen Heilungskonzepten wird aber schon intensiv geforscht.

150 Probanden nahmen an der Studie teil

Die Studie zur Früherkennung von Alzheimer ist die größte und die weltweit erste Multicenter-Studie zum Nachweis von Beta-Amyloid im Gehirn mit Hilfe der PET-Bildgebung. Sie wurde an Kliniken in den Vereinigten Staaten, Australien, der Schweiz und in Leipzig durchgeführt. Insgesamt nahmen 89 Alzheimer-Patienten und 69 gesunde Probanden an dem Versuch teil.

Bis 2050 verdoppelt sich die Zahl der Alzheimer-Patienten

Die Entwicklung eines neuen Diagnoseverfahrens ist vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung in den Industrienationen von besonderer Bedeutung. Denn die Anzahl der Alzheimer- und Demenz-Erkrankungen wird nach Einschätzung von Experten in den kommenden Jahren massiv zunehmen. Rund 1,2 Millionen Menschen leiden der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zufolge hierzulande an Demenz, zwei Drittel von ihnen haben Alzheimer. Experten gehen von einer Verdopplung dieser Zahl bis zum Jahr 2050 aus.