Kosten für Gesundheit

Krankenversicherung: Dicke und Raucher sollen mehr zahlen

Mittwoch, 12. Jan 2011, 12:30 von
Die Idee ist nicht ganz neu und offenbar zu verlockend: Wie in der privaten Krankenversicherung könnten auch die Krankenkassen Risikozuschläge für Menschen mit gesundheitlichen Vorbelastungen zahlen. Übergewichtige und Raucher stehen immer wieder im Fadenkreuz derer, die mehr Gesundheitsbewusstsein fordern.
Rauchen gefährdet die Gesundheit und verursacht hohe Kosten

Rauchen gefährdet die Gesundheit und verursacht hohe Kosten

Leonhard Kuckart, Stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU-angegliederten Senioren-Union, regte an, Personen mit Übergewicht und Raucher in der Krankenversicherung und der Pflegeversicherung stärker zur Kasse zu bitten. Angesichts immer weiter steigender Kosten für Pflege und Gesundheitsversorgung müsse eine gesunde Lebensweise stärker in das Bewusstsein der Menschen gebracht werden. Wer gesund lebt, müsse von den Krankenkassen im Sinne der Prävention stärker gefördert werden. Im Gegenzug müssten Menschen mit ungesunder Lebensweise durch Risikozuschläge und höhere Beiträge zur Krankenversicherung selbst Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen. Dies sei nach Ansicht Kuckarts sinnvoller als immer mehr Geld in das Gesundheitssystem zu pumpen.

Risikozuschläge in der Krankenversicherung

Im Bereich der privaten Krankenversicherung sind Risikozuschläge nichts außergewöhnliches. Menschen mit Vorerkrankungen bei Versicherungsbeginn zahlen höhere Beiträge. Allerdings führen Krankheiten, die während des Versicherungsverhältnisses auftreten, nicht zu höheren Beiträgen. Gesetzlich Versicherte mit einer privaten Zusatzversicherung müssen ebenfalls Risikozuschläge zahlen.

Keine neue Idee

Bereits früher wurden Stimmen laut, die höhere Beiträge zur Krankenversicherung für Übergewichtige und Raucher fordern. Dieser Vorschlag kommt vor allem aus dem politisch konservativen Lager und wird meist aus Gründen der Gleichbehandlung abgelehnt. Auch innerhalb der Gesellschaft stoßen solche Vorstöße eher auf Ablehnung. Gesundheitsexperten halten ebenfalls wenig von einem System der Bestrafung. Dagegen kann eine Belohnung für gesundes Verhalten eher zielführend sein. Bereits jetzt fördern die Krankenkassen gesunde Ernährung, Bewegung und Sport.

Bereits der sächsische CDU-Landtagsabgeordnete Marco Wanderwitz forderte im Sommer letzten Jahres höhere Krankenkassenbeiträge für Übergewichtige. Seiner Ansicht nach lebt diese Personengruppe “bewusst ungesund”. Auch er argumentierte, dass die Kosten für die Behandlung von medizinischen Problemen durch Übergewicht nicht der Solidargemeinschaft aufzuerlegen seien.

Kosten durch Übergewicht

Günter Neubauer vom Institut für Gesundheitsökonomik geht davon aus, dass jährlich Kosten in Höhe von 30 Milliarden Euro durch Übergewicht verursacht werden. Diese Schätzung basiere auf Zahlen des Robert-Koch-Institutes, so Neubauer. Aber er macht auch deutlich, welche problematischen Folgen ein höherer Krankenkassenbeitrag für bestimmte Personen mit sich bringen würde. Die erforderliche Bürokratie sei nur ein Problem. Außerdem würde die Diskussion ohnehin ins Leere laufen, denn: Wo fängt ungesunde Lebensweise an? Auch wer Alkohol trinkt oder Extremsportarten betreibt, müsse demnach ebenfalls stärker zur Kasse gebeten werden. Von der Einschränkung der persönlichen Freiheit mal ganz abgesehen.