Atemwegserkrankungen

Erkältungen müssen nicht mit Antibiotika behandelt werden

Dienstag, 23. Nov 2010, 14:31 von
In den Wartezimmern sitzen um diese Zeit wieder viele Patienten, die husten, niesen und sich die Nase putzen müssen. Es ist Erkältungszeit. Die Behandlung von Erkrankungen der Atemwege mit einem Antibiotikum ist in den meisten Fällen absolut nicht notwendig.
Ein Antibiotikum ist bei Erkältungen nicht unbedingt angebracht

Ein Antibiotikum ist bei Erkältungen nicht unbedingt angebracht

Die Infektionen der oberen Atemwege werden in der überwiegenden Anzahl der Fälle durch Viren ausgelöst. Gegen diese Rhinoviren sind Antibiotika völlig sinnlos, denn diese Medikamente wirken gegen Bakterien. “Eine akute Bronchitis mit Antibiotika zu behandeln ist ein Kunstfehler und sollte betraft werden,” so die rigorose Beurteilung von Dr. Christoph Wenisch, Leiter der Abteilung Infektions- und Tropenmedizin am Sozialmedizinischen Zentrum Süd in Wien. Nach aktuellen Studien haben Antibiotika nicht einmal bei akuter Bronchitis einen hohen Nutzen. Die Dauer der Erkrankung wurde bei einer entsprechenden Behandlung lediglich um einen halben Tag verkürzt. Viele Ärzte gehen auch davon aus, dass ihre Patienten von ihnen die Verordnung eines Antibiotikums erwarten. Deshalb stellen sie dann ein entstehendes Rezept aus, obwohl ihnen die Fragwürdigkeit ihres Handelns durchaus bewusst ist.

Die meisten Patienten wollen kein Antibiotikum

Doch eine solche Erwartungshaltung gibt es oft gar nicht. Eine Umfrage des renommierten Robert Koch-Instituts und der Charité in Berlin macht diese Tatsache deutlich. Bundesweit wurden 1076 Personen zwischen 15 und 78 Jahren nach ihren Standpunkten den Antibiotika gegenüber befragt. Die überwiegende Zahl der Befragten würde ein solches Medikament nur bei unbedingter Notwendigkeit einnehmen. Immerhin waren rund 38 Prozent der irrtümlichen Ansicht, dass Antibiotika gegen Grippe und Erkältungen wirksam sind.

Vertrauen in ärztliche Verordnung sehr hoch  

Immerhin sagten 113 Teilnehmer an der Umfrage, dass sie die Verordnung eines Antibiotikums erwarten, wenn sie mit einer Erkältung zu ihrem Arzt kommen. Doch von diesen Patienten sagten wiederum über 70 Prozent, dass sie ihrem Arzt vertrauen, wenn der ein Antibiotikum in ihrem Fall für unangemessen und überflüssig hält. Ein recht geringer Teil der Patienten wäre zwar ohne das gewünschte Antibiotikum ein wenig ärgerlich, würde aber auch dem Arzt vertrauen und eine andere Verordnung akzeptieren. Rund 12 Prozent der Befürworter eines Antibiotikums würden versuchen, sich dem Arzt gegenüber unbedingt durchzusetzen, und drei Befragungsteilnehmer würden einen anderen Arzt konsultieren, wenn sie kein Antibiotikum erhalten.

Antibiotikum nur in wenigen Fällen nötig

Das Antibiotikum muss also nicht unbedingt sein, schon gar nicht bei einer ganz “normalen“ Erkältung oder einem grippalen Infekt. Ärzte müssen auch keine Massenabwanderungen befürchten, wenn sie mit Antibiotika vorsichtig und zurückhaltend umgehen. Nur bei einer länger andauernden Entzündung der Nasennebenhöhlen, der Sinusitis, kann ein Antibiotikum angebracht sein. Auch bei eitriger Tracheobronchitis, der Entzündung von Luftröhre und Bronchien, wird der Arzt eine solche Verordnung in Erwägung ziehen.

Bakterien werden resistent  

Die zu häufige und wahllose Verordnung antibiotischer Medikamente kann weitreichende Folgen haben. Eine solche Praxis trägt zur Entwicklung von Resistenzen bei. Das bedeutet, dass Bakterien gegen die Antibiotika immun werden und nicht mehr abgetötet werden können. Die Folge ist, dass die Behandlung bakterieller Erkrankungen immer schwieriger wird, weil die Medikamente nicht mehr wirksam sind. Der Einsatz der entsprechenden Mittel sollte mit Verantwortung geschehen, mit ausreichender Dosierung über einen der Infektion angepassten Zeitraum. “Jede überflüssige und ungezielte Therapie begünstigt eine Resistenzselektion,” warnt Christoph Wenisch.

Hausmittel und Vorbeugung gegen Erkältungen  

Bei einer Erkältung helfen Hausmittel besser als Antibiotika. Vor allem Arzneimittel auf pflanzlicher Basis wie Spitzwegerich, Thymian oder Efeu helfen gegen Husten. Halsschmerzen werden durch Gurgeln mit Salzwasser gelindert. Das Dampfbad mit Kamille, Eukalyptus oder Salbei wird der Kopf frei und die Heilung beschleunigt. Auch rezeptfreie Arzneimittel den Heilungsprozess unterstützen. Weil bei einer Erkältung der gesamte Organismus angegriffen ist, sollte man in Bettruhe einhalten und die Hektik des Alltags ausschalten. Vorbeugen ist natürlich auch hier besser als Heilen: Gesunde Mahlzeiten, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und viel Bewegung an der frischen Luft stärken das Immunsystem und können Infektionen verhindern.