Auslöser von Allergien

Duftstoffe im Spielzeug gefährden die Gesundheit von Kindern

Freitag, 13. Apr 2012, 13:51 von
In jedem Kaufhaus zieht es alle Kinder auf jeden Fall in die Spielzeugabteilung, um sich nach neuen Spielen, Puppen oder Kuscheltieren umzusehen. Dort wird mit Lichteffekten und geschickter Positionierung zum Kauf animiert. Aber dabei bleibt es oft nicht. Die Hersteller arbeiten zusätzlich mit verkaufsfördernden Duftstoffen.
Spielzeug kann belastende allergische Reaktionen und Krankheiten auslösen.

Spielzeug kann belastende allergische Reaktionen und Krankheiten auslösen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat auf die Gefahren durch diese Duftstoffe in einer Stellungnahme (PDF) aufmerksam gemacht. In den meisten Fällen handelt es sich um künstlich hergestellte Substanzen, die mit der Funktion des Spielzeugs nichts zu tun haben. Sie werden sozusagen als wirksame "Lockstoffe" eingesetzt, um die Verkaufszahlen zu erhöhen. Von den ungefähr 2.500 Duftstoffen sind nicht alle gefährlich. Aber einige dieser Stoffe können Kontaktallergien auslösen, wenn sie öfter mit der menschlichen Haut in Berührung kommen. Die Europäische Union (EU) hat bereits eine Richtlinie erlassen, nach der 55 der allergenen Duftstoffe in Spielzeugen verboten sind. Für elf andere Stoffe gibt es kein Verbot, wohl aber Grenzwerte. Nach Ansicht des BfR sind diese Grenzen jedoch entschieden zu hoch. Sie sollten um das Zehnfache gesenkt werden.

Verbot von Duftstoffen wäre angemessen  

Bei Spielzeug für Kinder unter drei Jahren sollten Duftstoffe gänzlich verboten sein, so die Empfehlung des BfR. Für ältere Kinder gelten Grenzwerte für allergene Duftstoffe von 100 Milligramm pro Kilogramm. Dieser Wert sollte in der EU auf zehn Milligramm pro Kilogramm gesenkt werden. Das BfR hat bereits im Jahr 2010 einen ersten Versuch unternommen, die Grenzwerte zu verringern. Doch die EU hat bisher keine rechtlichen Konsequenzen gezogen. Nach Angaben des BfR zeigen rund zwei Prozent der Kinder eine Sensibilisierung bei Duftstoffen. Von den in einer Fachklinik behandelten Kindern sind es 12 Prozent. 

Kontaktallergie beeinflusst die Lebensqualität

Miriam Ewald, die Sprecherin des BfR, verdeutlicht die Ausmaße einer Kontaktallergie. "Je häufiger und intensiver ein Kind mit allergenen Stoffen in Berührung kommt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Kontaktallergie entwickelt." Diese Allergie äußert sich in Juckreiz, Rötungen der Haut, Bläschen oder sogar mit heftigen Entzündungen. Die Folgen sind enorm, denn eine Kontaktallergie ist nicht heilbar und kann die Betroffenen ein Leben lang beeinträchtigen. Neben der Belastung durch die Erkrankung selbst  können zum Beispiel bestimmte Berufe nicht mehr ausgeübt werden. "Und je früher das im Leben passiert, desto problematischer ist es", so die Sprecherin. Nach Einschätzung des Instituts muss die Berührung mit den allergenen Stoffen grundsätzlich vermieden werden. Wenn strengere Richtlinien gelten würden, wäre der Kontakt mit kritischen Duftstoffen völlig vermeidbar.

Hersteller müssen in die Pflicht genommen werden  

Dass hier strengere Grenzen gezogen werden müssen, ist für das BfR klar. Die Hersteller arbeiten mit solchen Stoffen, um die Sinne zu reizen und damit zum Kauf anzuregen. Dänische Forscher haben im Jahr 2006 für eine Studie Produkte für Kinder untersucht. Dabei gibt es um Seifenblasen, Bälle, Schreibzeug, Textmarker und Radiergummis. Die Tester fanden viele Duftstoffe, die in hohem Maß Allergien auslösen können. Die Werte waren erschreckend hoch und reichten von 32 bis 5.500 Milligramm pro Kilogramm.

Erfolg bei Grenzwerten für Nickel

Deshalb wird das BfR nicht müde, immer wieder den Verzicht auf Duftstoffe im Spielzeug zu fordern. Bei anderen Stoffen hat das Institut bereits Erfolge erzielen können. In der gesamten EU gilt der geforderte Grenzwert für Nickel in Spielzeugen. Auch bei der Herstellung von Schmuck oder Bekleidung muss der Grenzwert eingehalten werden. Dieser Erfolg ist wichtig, denn immerhin sind zehn Prozent aller Kinder gegen Nickel allergisch.