Drogenbericht 2012

Die Drogenpolitk steht zwischen Wirkung und Herausforderung

Mittwoch, 23. Mai 2012, 12:21 von
Wie in jedem Jahr hat die Bundesregierung den aktuellen Drogenbericht veröffentlicht. Die Drogenbeauftragte der Regierung, Mechthild Dyckmans (FDP), konnte bei der Veröffentlichung mitteilen, dass die Anstrengungen der Politik zwar zu guten Ergebnissen geführt haben, doch bestehe immer noch Handlungsbedarf.
Die Probleme durch Computer und Internet nehmen stark zu

Die Probleme durch Computer und Internet nehmen stark zu

"In vielen Bereichen zeigen die Maßnahmen zur Verringerung des Drogen- und und Suchtmittelkonsums Wirkung. Dennoch gibt es weiterhin Gruppen mit besonders hohem oder riskantem Konsum, die noch besser erreicht werden müssen", macht die Drogenbeauftragte die Lage deutlich. Doch zunächst einmal die erfreuliche Entwicklung: Im Jahr 2011 sank die Zahl der Zigaretten rauchenden Jugendlichen von 12 bis 17 Jahren weiter und machte weniger als 12 Prozent aus. Sehr viele Jugendliche sind auch vom Alkoholkonsum abgerückt. Waren es im Jahr 2001 noch 17,9 Prozent, so tranken im vergangenen Jahr nur noch 14,2 Prozent der Jugendlichen regelmäßig Alkohol. Positiv auch die Tendenz beim Cannabis. Der Anteil der jungen Erwachsenen und Jugendlichen, die die Droge zumindest einmal probiert haben, ist von 15,1 Prozent im Jahr 2004 auf 6,7 Prozent im Jahr 2011 abgefallen.

Komasaufen ist immer noch ein Problem  

So begrüßenswert diese Entwicklung auch ist, so gibt es doch auch Aspekte beim Drogenkonsum deutscher Jugendlicher, die letztlich erschreckend sind. Das Rauschtrinken ist noch immer ein großes und wichtiges Thema. Junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren trinken noch immer zu rund 40 Prozent regelmäßig Alkohol. Dieser Prozentsatz ist in den letzten zehn Jahren gleich geblieben. Ebenso stieg die Zahl der Trinker an, die wegen der Folgen ihres exzessiven Alkoholkonsums in ein Krankenhaus eingeliefert werden mussten.

Suchtverhalten durch die virtuelle Welt   

Besorgniserregend ist nach den Daten des Drogenberichtes die Zunahme der "Computer-Sucht". Rund 250.000 Jugendliche und junge Erwachsene sind internetsüchtig. Als problematisch wird der Gebrauch von Computerspielen und Internet bei 1,4 Millionen Nutzern angesehen. "Wir müssen unsere Präventionsmaßnahmen gezielt auf Risikogruppen ausrichten", so Dyckmans. Man müsse über "passgenaue" Hilfen nachdenken, denn nur so können die Menschen erreicht werden. In diesem Jahr soll das Hauptaugenmerk der Drogen- und Suchtpolitik im Bereich Computerspiele und Internet liegen. So sollen Studien dazu beitragen, dass verlässliche Daten zur Verfügung stehen. Doch das wird nicht der einzige Schwerpunkt der Anstrengungen sein. Es sei unerlässlich, dass die Menschen "über einen verantwortungsvollen Computer- und Internetgebrauch" aufgeklärt werden. Auch die Angebote zur Hilfe müssen verbessert und zielgenau ausgerichtet werden.

Glücksspiel auf dem Vormarsch  

Der Bericht weist noch weiteres Gefahrenpotential aus. Gewerbliches Glücksspiel hat bei jungen Menschen zwischen 16 und 20 Jahren deutlich zugenommen. Das Risiko zur Entwicklung von Suchtverhalten hat sich in dieser Altersgruppe deshalb erhöht. Die Drogenbeauftragte will sich verstärkt dafür einsetzen, dass im Zuge einer neu gefassten Spielverordnung die Zahl der Automaten in Gaststätten stark vermindert wird. Damit soll der Schutz der Spieler und der Jugendlichen stärker in den Vordergrund gerückt werden.

Angebote für Senioren mit Suchtproblemen  

Auch die die Gesundheit der älteren Menschen in Deutschland wird ein wichtiges Thema sein. Die demografische Entwicklung macht es nötig, verstärkt auf die Gesundheit im Alter zu achten. Lange Zeit sind ältere Menschen mit Suchtproblemen nicht beachtet worden. Doch das muss sich in Zukunft ändern. "Wir müssen Wege finden, wie ältere Menschen mit Suchtproblemen besser vom Suchthilfesystem erreicht werden." Nicht nur an Hilfsangeboten für junge Menschen wird sich zeigen, wie zielgenau Förderung und Hilfe bei Suchtkrankheiten ausfallen können. Gerade die Senioren brauchen verstärkt Zuwendung und Unterstützung in schwierigen Situationen.