Qualität der Kliniken

Die Deutschen sind mit ihren Krankenhäusern sehr zufrieden

Donnerstag, 20. Dez 2012, 12:16 von
Die Krankenhäuser in Deutschland genießen mehrheitlich großes Ansehen bei den Patienten. Dieses Ergebnis hat die größte Patientenbefragung ergeben, die von der AOK, der Barmer GEK und der „Weissen Liste“ durchgeführt wurde. Die Resultate können auf den entsprechenden Internetportalen abgerufen werden.
Für die Patienten im Krankenhaus zählen vor allem die medizinischen Kompetenzen

Für die Patienten im Krankenhaus zählen vor allem die medizinischen Kompetenzen

Die "Weisse Liste" ist ein Projekt, das die Bertelsmann Stiftung und bekannte Verbraucher- und Patientenorganisationen ins Leben gerufen haben. Zusammen mit den genannten Krankenkassen wurde ein vierseitiger Frageboten erarbeitet, der an rund eine Million Versicherte verschickt wurde. Mehr als 450.000 ausgefüllte Bögen kamen zurück und konnten somit ausgewertet werden. Damit konnten Ergebnisse von ungefähr 1.300 in den jeweiligen Portalen aufgeführten Kliniken öffentlich gemacht werden. Die Aussagen sind recht eindeutig, denn 82 Prozent der Befragten erlebten ihren Klinikaufenthalt so positiv, dass sie das Krankenhaus weiterempfehlen würden. 83 Prozent äußerten ihre Zufriedenheit mit den Ärzten, 82 Prozent waren mit der Betreuung durch das Pflegepersonal einverstanden. Mit 79 Prozent war die Akzeptanz von Organisation und Service nur wenig geringer.

Medizinische Versorgung hat Vorrang bei der Beurteilung     

Die Bereitschaft zur Weiterempfehlung der Klinik sei um so größer, je höher die medizinische Qualität eines Krankenhauses eingeschätzt werde, erklärte Rolf Schlenker, der Vize-Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK bei der Vorstellung der Befragungsergebnisse. Das sei auch das wichtigste Kriterium für die Patienten. Der Komfort oder die Qualität des Essens spielen bei der Beurteilung der Kompetenz eine weniger wichtige Rolle. "Die Erwartungshaltung von Krankenhauspatienten richtet sich also auf medizinische Relevanz, nicht auf das Zimmer mit Ausblick", so Schlenker.

Forderung nach besserer Bezahlung hochwertiger Arbeit  

Obwohl die Leistungen der deutschen Kliniken insgesamt sehr hoch eingeschätzt wurden, so gab es doch deutliche Unterschiede zwischen den Häusern. Gut zwei Drittel der Kliniken hatten Quoten der Weiterempfehlung von mehr als 80 Prozent, doch immerhin ein Drittel erreichte diesen Level nicht. Knapp 2,5 Prozent wurden sogar von weniger als 70 Prozent der Patienten empfohlen. AOK-Chef Jürgen Graalmann machte deutlich, dass die Kliniken anhand der Bewertungen auch erkennen könnten, wo ihre Schwächen liegen und an welcher Stelle Verbesserungsbedarf besteht. Damit leiste die Studie einen Beitrag zur Anhebung des Qualitätsniveaus. Auf diesem Hintergrund übte Graalmann Kritik daran, dass aktuell alle Krankenhäuser die gleiche Bezahlung erhalten. Die guten Häuser sollten besser bezahlt werden. "Schlechte Qualität wollen wir nicht mehr bezahlen", sagt Graalmann. "Gute Arbeit und hohe Ergebnisqualität müssen sich für die Kliniken lohnen."

Subjektive Eindrücke sind objektiv nachweisbar   

Die erhobenen Daten können für die Auswahl eines Krankenhauses von großer Bedeutung sein. Gerd Billen, Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin, empfiehlt den Patienten bei planbaren Operationen eine sorgfältige Auswahl der Klinik. Die Erfahrungen anderer Patienten könnten dabei helfen. Billen führte britische Studien an, nach deren Auswertung die subjektiven Erfahrungen mit objektiven Daten korrelieren. So konnten Entsprechungen zwischen dem Urteil der Patienten über die Sauberkeit einerseits und der Häufigkeit von Infektionen andererseits festgestellt werden.

Krankenhaussuche der Weissen Liste

Kliniknavigator der AOK

Krankenhaussuche der Barmer GEK

Medizinische Qualität ist der Dreh- und Angelpunkt  

Auf alle Fälle aber steht die medizinische Versorgung im Fokus des Interesses. Erst danach legen die Betroffenen Wert auf die Kommunikation und zuletzt auf den Komfort. "Wenn wir künftig über die Qualität von Krankenhäusern sprechen, muss es daher in erster Linie um medizinische Qualität, weniger um Zweibettzimmer-Standard, Wartezeiten oder das Drei-Gänge-Menü gehen", macht Rolf-Ulrich Schlenker noch einmal deutlich.