US-Studie zu Diabetes

Auch niedriger Blutzuckerwert schadet der Gesundheit

Mittwoch, 20. Apr 2011, 14:19 von
Die Senkung des Blutzuckerspiegels bei Diabetes Typ-II- Patienten ist ein wesentlicher Bestandteil der Therapie. Doch wie US-Wissenschaftler nun feststellten, hat die Reduzierung des Blutzuckerspiegels auch negative Auswirkungen für die Gesundheit. Ihren Angaben zufolge erhöht das sogar das Sterberisiko. Mittlere Werte seien dagegen ideal.
Mittlere Blutzuckerwerte bei Altersdiabetes sind ideal

Mittlere Blutzuckerwerte bei Altersdiabetes sind ideal

Diabetes mellitus ist aufgrund der Häufigkeit auf dem besten Weg zu einer Volkskrankheit. In 90 Prozent der Fälle von Zuckerkrankheit wird Diabetes Typ-II diagnostiziert. Vor allem ältere Menschen sind davon betroffen. Mit dem Blutzuckerwert steigt das Risiko von Gesundheitsschäden bei Altersdiabetikern. Nervenschädigungen oder Wundheilungsstörungen können die Folge sein. Zudem erhöht sich auch die Gefahr zu erblinden sowie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Eine Studie von US-Medizinern mahnt nun jedoch den Blutzuckerspiegel nicht allzu stark zu senken. Denn auch ein zu niedriger Blutzuckerwert ist ungesund. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin "Diabetes Care" veröffentlicht.

Erhöhtes Sterberisiko durch niedrige Blutzuckerwerte

Wie die Forscher um Elbert Huang von der University of Chicago feststellten sind niedrige Langzeit-Blutzuckerwerte bei älteren Betroffenen mit einem leicht erhöhten Sterberisiko verbunden. Ihrer Ansicht nach sei ein dauerhafter HbA1c-Wert von acht Prozent erstrebenswert. Dieser Wert ist ein Maß für die Blutzuckerwerte der vergangenen zwei bis drei Monate. Erniedrigt sich der Wert auf weniger als sechs Prozent steigt das Sterberisiko der Patienten. Für gesunde Erwachsene gelten Werte zwischen vier und sechs Prozent als normal.

Daten von mehr als 71.000 Teilnehmern

In weiteren Studien sollen nun die zugrundeliegenden Mechanismen erforscht werden. "Es ist wichtig, dass ältere Patienten mit ihren Ärzten gemeinsam über die Ziele ihrer Diabetesbehandlung entscheiden", sagt Huang als Erstautor der Studie: "Sie sollten eine Menge fragen stellen." Für ihre Analyse standen den Medizinern ein umfangreicher Datensatz von mehr als 71.000 Teilnehmern zur Verfügung. Diese stammen wiederum aus einer großangelegten Beobachtungsstudie zum Thema "Diabetes und Altern". Auf dieser Grundlage analysierten die Autoren den Gesundheitszustand von Typ-II-Diabetikern ab einem Alter von 60 Jahren über vier Jahre hinweg.

Mittlerer Blutzuckerwert ideal

Erwartungsgemäß stellten die Mediziner häufiger Komplikationen und Todesfälle bei Patienten mit deutlich erhöhten Langzeit-Blutzuckerwerten fest. Ebenfalls ein höheres Sterberisiko zeigten Betroffene mit vergleichsweise niedrigen Werten. Dieses ist zwar wesentlich geringer, dennoch aber statistisch bedeutsam. Das beste Ergebnis und damit das geringste Sterberisiko zeigten Patienten unterschiedlichen Alters mit mittleren HbA1c-Werten zwischen sechs und acht Prozent.

Ähnliche Ergebnisse schon 2008

"Wir können nicht sagen, ob dieses unerwartete Ergebnis auf die sehr geringen Blutzuckerwerte selbst zurückzuführen ist, auf die Behandlung zur Kontrolle des Blutzuckers oder auf irgendwelche anderen Faktoren, die nicht direkt mit der Diabetesbehandlung zusammenhängen", erklärt Andrew Karter, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. Die neue Studie ist allerdings nicht die erste Untersuchung, die einen solchen Zusammenhang zeigt: Schon die sogenannte Accord-Studie aus dem Jahre 2008 hatte ergeben, dass es schädlich ist, den Blutzuckerwert mit Medikamenten auf den Wert eines gesunden Menschen zu senken.